New York, in einer Spätsommernacht. Unter Aufsicht der örtlichen Feuerwehr brennt im "Roxy" die Bühne. Dem Sänger schlagen Flammen aus dem Kragen seines Kettenhemds. "Asche zu Asche", ruft er, dieser deutsche Bariton, und singt: "Ihr glaubt, zu töten wäre schwer". Unten springen sich junge Amerikaner vor Wonne auf die Füße, während das Mutterland des RocknRoll voll Kummer verfolgt, mit welcher Resonanz die deutsche Gruppe Rammstein seit dem Frühjahr durch die USA reist. Von San Francisco bis St. Louis. In Chicago gab es Streit um die Pyrotechnik. Im religiösen Utah erregten sie Aufsehen, als ihr Sänger Till Lindemann aus einem Dildo Wasser über die Zuschauer sprühte. Am 20. Oktober wird Rammstein in Oklahoma City auftreten, dem jüngsten Schreckensort rechter Gewalt in Amerika.Jugendschutzverbände sind bekümmert, und auch die liberale Presse wie das "Wall Street Journal" berichtet besorgt von einer Band, "die sich brutaler, düsterer Symbole bedient, um U.S.-Fans zu gewinnen. Eine beunruhigende und sonderbare Band aus Deutschland, die Kontroversen produziert mit einer Ästhetik, die an das Dritte Reich erinnert." Im Internet wuchern weltweit die Rammstein-Fanseiten und die Foren, in denen es vor allem darum geht, die Vorwürfe zu entkräften. Berühmte Bürgen aus dem linken Lager tauchen in Zitaten auf. David Grohl etwa, ein Überlebender der Gruppe Nirvana, der Rammstein zu seiner "Traum-Band" erhoben hat. Oder der Regisseur David Lynch, der die brachiale Musik in seinem Film "Lost Highway" übernahm.Rammstein ist mit einer halben Million verkaufter Alben in die Pop-Idylle der amerikanischen Billboard-Charts eingebrochen. Was deutschen Stars bislang nur selten gelang. Nena warb dort mit ihren "99 Luftballons" für den Weltfrieden. Sie hatte einen Hit, Rammstein besitzt ein Konzept: den Entwurf einer deutschen Band mit globalisierten Klischees. Todernst und anmaßend. Groß und stark bläht sich Till Lindemann und grollt das Zungen-R in einer Sprache, die noch die Worte "Herzeleid" und "Laichzeit" kennt. "Woah, thats German", läßt das "Wall Street Journal" einen Teenager aus Cleveland schwärmen.