May 21st, 1994
Focus
Comics: BARK BARK BARK ...
Von wegen nur Ente! "Donaldisten" feiern 60 Jahre Donald Duck. Entenhausen-Erfinder Barks kommt nach Deutschland
Mit Verblüffung registriert Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover, allwöchentlich an die siebentausend Besucher in der Ausstellung "Donald - Die Ente ist Mensch geworden". Dem Schöpfer der Entenhausener Storys, Carl Barks, 93, hat der Wiener Maler Gottfried Helnwein anläßlich dieser Retrospektive einen voluminösen Bildband als Ausstellungskatalog zusammengestellt. Er preist den jahrzehntelangen Walt-Disney-Verlags-pinsler als "genialen Zeichner und Poeten, ohne den das Disneysche Mammutwerk auf tönernen Füßen stünde". Mehr noch: Mit dem menschenähnlichen Schnäbler habe Barks nichts Geringeres als "das neue Menschenbild", eine "Creatio ex nihilo" und "die Ankündigung und Ahnung einer neuen Zeit" geschaffen.

Melancholische Anwandlungen bekämpft der Hamburger Journalist Klaus Bohn, 45, vorzugsweise mit Comic-Lektüre. Nichts hilft ihm besser über Weltschmerz hinweg als der bunte Bilderreigen um einen matrosenbedreßten Erpel. "Mein Leben", bekennt Bohn, "deckt sich mit dem Leben von Donald Duck." "Ich studiere die Duck-Storys, um zu vermeiden, im Überlebenskampf zu scheitern."Der bisherige Befund des gelernten Lehrers für Deutsch und Englisch: "Ich bin in eine Gesellschaft geworfen, die aufgrund meiner Eigenschaften und Fähigkeiten eigentlich einen bestimmten Platz für mich haben müßte." Tatsächlich aber habe er diesen Platz noch nicht gefunden. "Ich suche noch", mit Donalds Hilfe.Die Ente als Mensch. Bohns Identifikation mit der Comicfigur ist kein Sonderfall. Im 60sten Geburtsjahr des cholerischen Schnatterichs erlebt der Kult um den notorischen Entenhausener Pechvogel unerwartet Konjunktur. Mit Verblüffung registriert Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover, allwöchentlich an die siebentausend Besucher in der Ausstellung "Donald - Die Ente ist Mensch geworden".Dem Schöpfer der Entenhausener Storys, Carl Barks, 93, hat der Wiener Maler Gottfried Helnwein anläßlich dieser Retrospektive einen voluminösen Bildband* als Ausstellungskatalog zusammengestellt. Er preist den jahrzehntelangen Walt-Disney-Verlags-pinsler als "genialen Zeichner und Poeten, ohne den das Disneysche Mammutwerk auf tönernen Füßen stünde". Mehr noch: Mit dem menschenähnlichen Schnäbler habe Barks nichts Geringeres als "das neue Menschenbild", eine "Creatio ex nihilo" und "die Ankündigung und Ahnung einer neuen Zeit" geschaffen.Ende Juni wird der künstlerisch spät entdeckte Barks auf deutschem Boden seine Ovationen empfangen: Zunächst anläßlich der Eröffnung der Duck-Ausstellung in Stuttgart, anschließend bei einem Zusammentreffen mit seiner kongenialen Übersetzerin Erika Fuchs in München.

Fußnote: * Gottfried Helnwein, "Wer ist Carl Barks?", Neff-Verlag, Rastatt, 1993

Carl Barks

DONALD-AUSSTELLUNG

Noch bis zum 5. 6. Hannover: Wilhelm-Busch-Museum-26. 6. bis 5. 9. München: Stadtmuseum-21. 9. bis 7. 12. Oberhausen: Städtische Galerie-12. 1. bis 19. 3. 1995 Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe-15. 4. bis 30. 7. 1995 Mainz: Landesmuseum