July 18th, 2001
Mannheimer Morgen
Geschichte, abgetakelt und jetzt neu bearbeitet
Roland Groß
AUSSTELLUNG: "Berliner Mauer - Kunst für ein Europa im Aufbruch" in der Kölner Josef-Haubrich-Kunsthalle
Was man derweil im dramatischen Dunkel des Kölner Kunsthallen-Untergeschosses zu sehen bekommt - 2,5 Meter mal 1,5 Meter große Mauerklötze, eingespannt in stählerne Staffeleien -, verbreitet nicht nur europäische Aufbruchstimmung, wie es der Untertitel am Vorabend der Euro-Währungsunion verspricht, sondern auch gemischte Gefühle. Arman hat in altbekannter Materialcollagen-Sucht ein paar Hammer und Sicheln im antifaschistischen Ex-Schutzwall versengt. Gottfried Helnwein lässt ein blasses Kinderporträt aus dem Beton-Grau hervordämmern.  

GESCHICHTE, ABGETAKELT UND JETZT NEU BEARBEITET AUSSTELLUNG: "Berliner Mauer - Kunst für ein Europa im Aufbruch" in der Kölner Josef-Haubrich-Kunsthalle

18. July 2001Mannheimer MorgenRoland GroßWas zuvor in Lyon und Nikosia (einer immer noch "geteilten Stadt") gelang und vermutlich sogar an der koreanischen Demarkationslinie möglich wäre, es scheiterte am deutschen Ort des Geschehens auf Grund plötzlich angedrohter Stromkosten. Auch die Schirmherrschaft von Europarat und Goethe-Institut, selbst ein Ausstellungsbesuch Gorbatschows in Lyon hatte die Schau vor dem Reichstag in Berlin und gleich neben den Kreuzen der Maueropfer nicht beflügelt. Wie immer man zu diesem Projekt, das eine Werbeagentur hätte ersinnen können, auch stehen mag: Immerhin geht es hier um so genannte "Mauer-Kunst", die man sich nirgendwo "schöner" vorstellen will als eben in Berlin.Dort war alles - eigentlich eine Bürokraten-Posse - an der nicht zu klärenden Zuständigkeit für die Stromkosten in einem Zelt vorm Reichstag gescheitert, das die knapp 40 künstlerisch bearbeiteten Mauer-Rechtecke im Jahre 1999, zum Mauerfall-Jubiläum, beherbergen sollte. Nicht minder verursachten wohl Sponsoren-Logos Staubkörner im vermauerten offiziellen Auge am deutschen Schicksalsort. Die ungewöhnlichen Beton-Bildträger, einst nach Osten gewandt und daher gestaltungsfrei (also ohne West-Graffiti) für die Aufbruch-Fantasien eines Arman, Chillida, Paladino, Kabakow oder Buren, hatte Sylvestre Verger, ein betuchter Schweizer Industriellen-Spross, 1994 erworben. Und ein karitatives Event für Unicef daraus gemacht.