Gottfried Helnwein ist keiner, der Kunst als bloße Dekoration versteht. Seine Bilder haben verstört, berührt, provoziert und immer wieder den Blick dorthin gelenkt, wo andere lieber wegsehen. Nun wurde der international gefeierte Künstler in Niederösterreich ausgezeichnet: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verlieh ihm das Goldene Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.
Für Helnwein ist diese Ehrung nicht nur eine offizielle Auszeichnung, sondern auch eine Rückkehr zu einem Stück Kindheit. Denn einst verbrachte er viel Zeit bei seinen Großeltern auf einem Bauernhof in Kauterndorf im Weinviertel. Ein Ort, den er bereits öfter als „Himmel“ im Kontrast zum Wien der Nachkriegszeit, in dem er geboren wurde, bezeichnete.
„Künstler von Weltrang“
Mikl-Leitner fand bei der Verleihung sehr persönliche Worte für den Geehrten. „Jedes Gespräch mit dir und jede Begegnung ist eine unglaubliche Bereicherung“, sagte sie zu Helnwein. Gerade jetzt wäre ein deutliches Signal wichtiger denn je: „In Zeiten wie diesen braucht es ein klares Bekenntnis zur Kunst und Kultur.“
Helnwein sei, so die Landeshauptfrau, ein „Meister seines Faches, ein Künstler von Weltrang – und darauf sind wir besonders stolz.“ Seine Werke würden nicht nur durch ihre technische Meisterschaft beeindrucken, sondern auch durch ihre klare Haltung.
Trockener Humor bei später Ehrung
Der Ausnahmekünstler, der sich viel mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinandersetzt, nahm die Auszeichnung mit gewohnt trockenem Humor, aber dankbar, entgegen. In seiner ganzen Karriere (bald wird er 80 Jahre alt) sei noch niemand auf die Idee gekommen, ihm einen Preis zu verleihen. „Es ist eine Art von Freiheit, niemandem dankbar und verpflichtet sein zu müssen. Da habt ihr mir jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht.“
Doch so viel Humor Helnwein auch mitbringt, genauso regt er zum Nachdenken an. Er sprach auch offen über Politik, Krieg, Leid und Geschichte. Auch Adolf Hitler und die Folgen des Nationalsozialismus sind Themen, mit denen sich der 77-Jährige immer wieder beschäftigt und die auch in seiner Dankesrede viel Platz eingenommen haben. So erzählte er zum Beispiel erneut, dass er auf die gleiche Kunstschule gehen wollte wie der Diktator. Nur mit dem feinen Unterschied, dass dieser zwei Mal abgelehnt wurde, während Helnwein sogar ohne Aufnahmeprüfung einen Platz bekam. „Dass sie Adolf Hitler nicht aufgenommen haben, war einer der größten Fehler der Geschichte.“Kunst gegen das Wegschauen Seine Botschaft bei der Ehrung war unmissverständlich: Wegschauen ist keine Lösung. „Wenn man die Augen zu sehr schließt, wird sich Geschichte immer wiederholen“, so Helnwein. Er glaube daran, dass Kunst den Menschen Themen näherbringen könne, die sonst verdrängt würden.
