August 25th, 2005
Author Wolfgang Bauer, considered one of Austria's most important postwar writers, has died in the southern city of Graz.
authorities said Saturday
He was 64. The playwright died Friday after a long struggle with heart troubles. Bauer's 1968 theater piece "Magic Afternoon," is seen as a masterwork in contemporary Austrian drama. Among his numerous works were a novel and scripts for television and radio. Wolfgang Bauer: "...As long ago as 1963 a fellow-artist and I imagined the horrible future of a free-lance artist. The topic of our discussion was not so much finances as the necessity of letting go and totally abandoning oneself. At the time I had the idea of inventing something like a "fitness training of geniuses". In retrospect I must say that I know very few artists who have persevered in this imaginary training programme. Gottfried Helnwein is one of them."
Austrian Poet Wolfgang Bauer

"Wolfgang Bauer is one of those authors who brought a new realism on the stage and with it a new honesty to Austrian drama," Austria's state secretary for art and media, Franz Morak, said in a statement. "He ushered in a new era of drama in Austria."

Peter Handke: Bauer war "unter uns allen das Genie"

derStandard.at | Kultur | Literatur | Wolfgang Bauer 1941 - 200527. August 2005

Gerhard Roth: Bauer war ein "Mensch, der die Ideologien abgelehnt hat, weil sie ihm die Sicht auf die Existenz verstellt haben"Peter Handke: Mit Bauers Tod geht "wieder ein Stück großes junges Graz zu Grunde."

Wien/Paris - Für Peter Handke war Wolfgang Bauer "in jungen Jahren das einzige Genie in Österreich". Mit Bauers Tod geht "wieder ein Stück großes junges Graz zu Grunde", so der in Frankreich lebende Handke. Handke und Bauer haben die Entwicklung des Grazer "Forum Stadtpark" geprägt. Für Handke war Bauer "unter uns allen das Genie". Mit seinem immer surrealistischer werdenden Werk habe der gestern, Freitag, verstorbene Autor dann "vielleicht zu sehr das Genie gesucht und noch erreichen wollen. Und das war fast tragisch", so Handke.

Mensch, der die Ideologien abgelehnt hat

Der Autor Gerhard Roth, der Bauer sei Teenagerjahren gekannt hat, schilderte im Gespräch mit der APA den verstorbenen Autor als "Mensch, der die Ideologien abgelehnt hat, weil sie ihm die Sicht auf die Existenz verstellt haben". Bauer hat "die schutzlose Existenz gesucht". Der Autor "war ein unglaublich humorvoller Mensch mit starken Elementen von Depressionen, die auch dann in Aggressionen übergehen konnten", so Roth. Bauer sei "seinen ganz eigenen, persönlichen Weg in der Literatur gegangen, ohne sich von Erfolg oder Misserfolg beeinflussen zu lassen. Er hat das realistische Theater auf einen Höhepunkt gebracht und Ansätze für ein neues Theater gefunden, das erst später nach seinem Tod zu entdecken sein wird".

Revolutionärer Dramatiker

Als "revolutionärer Dramatiker" habe Bauer "als einer der ersten den Dialekt in die Bühnensprache eingebracht, den städtischen Umgangston", schilderte Roth. Bauer habe mit "glasklarer Härte" geschrieben, "die sich mit der Gegenwart auseinander setzt, mit Jugendlichen, und der eine existenzielle Philosophie zu Grunde liegt". Sein späteres Werk mit den zunehmend surrealistischen oder fantastischen Stücken sei "vom Theater bislang nicht entsprechend verstanden und gewürdigt worden", so Roth. "Es ist möglich, dass man das Gelächter, das in diesen Stücken zu hören ist, von einem Lebenden weniger annimmt als wenn es aus dem Totenreich kommt". (APA)

Wolfgang Bauer about Gottfried Helnwein:

Inspired by Helnwein

(Helnwein - Inspiration)by Wolfgang Bauer1999Museum of Lower Austria

"...As long ago as 1963 a fellow-artist and I imagined the horrible future of a free-lance artist.
"The topic of our discussion was not so much finances as the necessity of letting go and totally abandoning oneself. — At the time I had the idea of inventing something like a "fitness training of geniuses".
Selbst der zornigste Dichter klammert sich noch an die Sprache. Auch wenn er gegen sie wütet: “Spreche du Krüppel . . . überall dein fetter Arsch . . . ich verstehe immer nur Bahnhof . . . nieder mit dir . . . du Aufhetzer . . . dich will ich würgen.” Würgen kann er sie aber nur mit ihren eigenen Mitteln, das macht seinen Trotz hirnrissig: “Kurz vor deinem Tod werde ich noch dichten mit dir, daß du schreist.” Jähzornige haben es besser, oder Kinder, denen wenigstens die Einsicht in die Sinnlosigkeit solch inkonsequenten Zürnens erspart bleibt. Deshalb sieht sich der Dichter, den die Wut zwackt, nicht ungern als Kind: “Ein schlimmes Kind bin ich/ Und mit den Toten tanz ich, daß die Grabsteine wackeln.” Ein schlimmes und ein verletztes Kind, das nich mehr mitspielt, den andern aber anbietet “Mit meinem trepanierten Kopf könnt ihr Fußball spielen.” Ein trepanierter – vom Chirurgen aufgebohrter – Kopf erinnert sogleich an Gottfried Helnweins Markenzeichen: den bandagierten Kopf. Sein Freund Wolfgang Bauer las zur Ausstellungseröffnung in der rappelvollen Stuttgarter Galerie Angelika Harthan einige Gedichte, die schon etliche Jahre alt sind.
Ausdrücklich Helnwein gewidmet ist ein “Boulevard of Broken Dreams”. Es endet sang- und klanglos: “Die Traurigkeit festhalten . . . umfallen wollen . . . verreisen für immer” – ohne Schmäh?

BOULEVARD OF BROKEN DREAMS - Song for Helnwein

by Wolfgang Bauer

...ZU BODEN WIRFT DER TRÄUMER DEN BLICK / SCHWERER REGEN WIRD FALLEN / DURCH SEINE AUGEN / IM SCHLENDERN / DIE ROTEN HÄNDE IN DEN RAUHEN MANTEL GEBALLT / TIEF IN DER MAGENGRUBE / FÜHRT ER DIE SONNIGEN TEMPEL / BRENNEND UNTER DEM TAGESBLAU / SPAZIEREN / ÜBER DEN
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS — GEHEN, GEHEN / SCHLURFEN IN DER DAMPFENDEN NÄSSE / DIE GESPIEGELTEN THEATERREKLAMEN WEGKICKEN / VOM GLITSCHIGEN TROTTOIR / IN DEN PEEP-SHOWS VERTROCKNEN / MENSCHEN REMPELN / AUS LIEBE / SICH DIE KÖPFE AN EISENGELÄNDERN ZERSCHLAGEN / IM MILCHIGEN KNEIPEN / DEN ZITTERNDEN KÖRPER MIT SCOTCH FÜLLEN / LÖSCHEN IRGENDWO AM /