January 1st, 1970
First one man show at Galerie Atrium, Vienna

WIE SICH DER TOD MASKIERT

25. Juli 1970Karlheinz RoschitzKurier

Helnwein hat das Sterben als Leitfaden seiner Bilder gewählt. Mit feinst gespitztem Stift strichelt er die Maskeraden des unsichtbaren Todes, sein Wirken aufs Blatt: "Gretel Pastetel", popmondän und kapriziös, hält ihre ermordete Puppe im Arm, ein Kind schlachtet Brüderchen auf dem Feld, Blut rinnt aus Nase und Mund des kleinen Kommunistenfritz...
Grau und blasse Rottöne werden mit feinem Farbempfinden einander gegenübergestellt. In Landschaften, auf Objekten und Kleidern blühen jugendstilhafte Pflanzenornamente, umranken die kühlen Bestandsaufnahmen der Angst, der Stille, des Verlöschens. — Der hochbegabte junge Zeichner und Maler Helnwein stellt sich damit in die vorderste Reihe vielversprechender Talente.

HELNWEIN IN DER NACHTGALERIE IM ATRIUM

Die VolksstimmeOskar Wiesflecker20. Juli 1970

Einen in seiner technischen Perfektion verblüffenden jungen Künstler (der bei Professor Hausner erst das zweite Semester absolviert hat) stellt die Nachtgalerie im Atrium mit Helnwein zur Diskussion.Und um die Diskussion geht es ihm, wie schon das bewusst in Blubo-Manier gemalte Hitler-Bild, das das Entree zu dieser Schau bildet, zeigt. Dann kommt ein halbes Duzend geradezu penibel gezeichneter (mit ganz feinem Buntstift) Bilder, die in ihrer elegant schockierenden Brutalität keiner Erläuterung mehr bedürfen und das Hitler-Bild erst so richtig verständlich machen. Zwei blutbespritzte Kleinkinder mit Messer, von denen das eine bereits "erledigt" ist, eine bildhübsche Mädchenlarve, die mit unschuldiger Miene ein ermordetes Kind (oder nur eine Puppe?) auf dem Schoss hält.Der junge Künstler gehöret zweifellos zu den interessantesten Begabungen der letzten Zeit.