GOTTFRIED HELNWEIN, DER KÜNSTLER ALS AGRESSOR UND VERMALEDEITER MORALIST, Peter Gorsen
Graphische Sammlung Albertina, Wien"Helnwein, Arbeiten von 1970 - 1985"Ausstellungskatalog, 1985
...Neben Skizzen von Ballet tanzenden Hasen und gestiefelten Katzen, strangulierten und gestopften Enten finden sich Studien oder eher Wunschzeichnungen zu malträtierten Kinderköpfen, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr, so etwas wie kindliche Autonomie in der depravierten Erwachsenenwelt signalisieren. Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung. Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit.

Beautiful Victim I

Beautiful Victim II

Sonntagskind (Sunday Child)

Roter Mund (Red Mouth)

Lichtkind (Child of Light)

Peinlich (Embarrassing)
CONUNDRUMS
The Washington PostJo-Ann Lewis3. August 1981
Baumgartner Galleries is introducing the work of Gottfried Helnwein, a young Viennese artist who shares what seems to be an Austrian obsession with highly detailed realism - with a surrealistic edge. Trained at the Austrian Academy, and now in the process of moving to New York, Helnwein makes figurative drawings and watercolors that are occasionally gruesome, sometimes haunting and always ambiguous. Spatial and narrative ambiguity are, in fact, the central expressive devices in Helnwein's art.A large, meticulously painted watercolor titled "A Dream" is typical. In it, the viewer is lured into pondering whether the lone figure of a child in a muted pink dress is asleep on the ground, or has been hit by a roadside in a puddle, or on white sand in the sun?Few parents are likely to trot such a painting home to hang over the family hearth, but the artist's ability to conjure up open-ended dramatic narrative is unquestionable....people caught in poses and with facial expressions that leave everything to the imagination: Are they happy or sad? Asleep or dead? Singing or letting forth with primal screams? These cleverly conceived conundrums will continue through October.

Peinlich (Embarrassing)

Peinlich (Embarrassing)
"einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will. — er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden.

untitled

Guten Morgen, Liebe Enten! (Good Morning, Dear Ducks!)

The Intrusion

Kleine Korrektur (Little Correction)
VON DEN ALLTÄGLICHEN LEBENSKATASTROPHEN UNSERER ZEIT
Tiroler Tageszeitung17. Juni 1980
Der 1948 geborene Wiener wird in den USA wie in Japan als virtuoser Graphiker zur Kenntnis genommen, der mit Bleistift und Feder, Buntstift und Aquarellpinsel eine Hinterwelt gespenstischer Überwirklichkeit, der Banalität des Entsetzlichen, des Wahnsinnigen, einen neuen Surrealismus ausspielt.
Dieser Surrealismus hat nur mit einsamen und ehrlichen Manifesten des alten Surrealismus zu tun. — Er ist mit Goya, Kafka, Edgar Allan Poe, mit den härtesten Äußerungen expressionistischer Graphik und Literatur enger verwandt.

Kiss of Judas II (detail)

"Triumph der Wissenschaft" (Triumph of Science)

Mann ohne Gesicht (man without face)

Unser Entenbischof (Our Duck Bishop)

Zwei amerikanische Ärzte behelligen eine Patientin (Two American Doctors teasing a Patient)

Das Grubenunglück ( mine disaster)
ALS FREMDER UNTER FREMDEN LEBEN
Süd-Ost TagespostG. Brugner-Rosenbaum21. Jänner 1982
Dieser junge Künstler malt das lautlose Sterben voll poetischer, melancholischer Schönheit.Für mich ist er gleichsam ein Handke unter den Malern, ein exakter Beobachter, der bei seinen Mitmenschen die Innenhaut nach aussen stülpt und sie somit demaskiert.Die gemalten Schreie bleiben ungehört, zerbrechen klirrend an unsichtbaren Wändenund gefrieren in der Kälte der Einsamkeit.Der Mörder ist zugleich auch der Ermordete, im unschuldigen Kind steckt der unberechenbare Dämon. Alle sind gespaltene Existenzen, sadistische Masochisten,deren Gesichter von einer hilflosen und erbarmungswürdigen Hässlichkeit geprägt sind...

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