
Mit einem rauschenden Strauss-Abend hat das Opernhaus Zürich seine Spielzeit 2025/26 eröffnet – die erste unter der neuen Intendanz von Matthias Schulz. Von Ursula LitmanowitschAuf dem Programm stand «Der Rosenkavalier» von Richard Strauss, ein Klassiker, welcher Wiener Walzerseligkeit, Melancholie und Komik vereint und zugleich höchste Ansprüche an alle Mitwirkenden stellt.Festlicher KlangrauschDie musikalische Leitung lag bei Joana Mallwitz, die das Orchester der Oper Zürich zu einem festlichen, aber nie überladenen Klangrausch führte. Mit präzisem Rhythmusgefühl und einem sicheren Sinn für leuchtende Klangfarben balancierte sie die grossen Ensembleszenen ebenso souverän wie die intimen und langen Passagen.Brillantes EnsembleAuf der Bühne brillierte ein Ensemble von internationalem Rang: Diana Damrau gab der Marschallin stimmliche Wärme und menschliche Tiefe, Angela Brower zeichnete Octavian mit jugendlichem Feuer und szenischer Frische, und Emily Pogorelc bezauberte als Sophie mit lyrischer Leichtigkeit. Günther Groissböck sorgte als Baron Ochs für die komödiantische Würze, während Bo Skovhus als Faninal kraftvolle Präsenz zeigte.Für die Inszenierung zeichnete Lydia Steier verantwortlich. Sie erzählte das Stück temporeich, über weite Strecken mit Humor und teilweise zwar grenzwertigen Interaktionen, aber stets scharfer Personenführung und Blick auf die existenziellen Untertöne des Librettos von Hugo von Hoffmannsthal.Visuelle KraftDie visuelle Kraft des Abends kam von Ausnahmekünstler Gottfried Helnwein: Sein Bühnenbild und die Kostüme setzten mit kräftigen Flächen und monochromen Schattierungen in Blau, Gelb und Rot markante Akzente und triggerten Emotionen.Gefeierter StarHelnwein war zur Premiere persönlich anwesend – der einstmals umstrittene Star wurde vom Publikum gefeiert. Vor zwanzig Jahren hatte er diese Bildwelt bereits für eine Aufführung in Los Angeles entworfen, damals in Zusammenarbeit mit Maximilian Schell als Regisseur; nun erlebte Zürich quasi ein glanzvolles Comeback.Heiter und ernsthaftDas Publikum reagierte mit Bravorufen. Dieser Rosenkavalier war nicht nur gelungener Auftakt, sondern auch programmatisches Signal: Unter Matthias Schulz will das Opernhaus Zürich auf Weltklasse, Starpower und bildstarke Akzente setzen – heiter, glanzvoll und mit künstlerischer Ernsthaftigkeit.
