
Lebensunwertes Leben
Lieber Herr Dr. Gross
Als ich mir "Holocaust" (Die amerikanische Fernsehserie) angeschaut habe, ist mir Ihre Stellungnahme im "Kurier" wieder eingefallen. Und da wir gerade das Jahr des Kindes haben, will ich die Gelegenheit ergreifen und Ihnen im Namen der Kinder, denen unter Ihrer Obhut in den Himmel geholfen wurde, herzlich danken.Danken dafür, dass Sie nicht "totgespritzt" wurden, wie Sie sich ausdrücken, sondern dass ihnen das Gift lediglich ins Essen gemischt wurde..Mit deutschem Gruss,.Ihr Gottfried Helnwein
profil, Wien, 1979
...The image is painfully tender, the light that glows around the young girl - apart from making her angelic - reflects the revelations of the medical experimentations on children during the war years. The theme of the child was spurred by an interview in an Austrian tabloid in which the country's Head of Psychiatry, Dr. Heinrich Gross, admitted killing children at Vienna's Am Spiegelgrund Paedriatric Unit during the war by poisoning their food. Helnwein painted "Life Not Worth Living" - a water colour of a little girl "asleep" with her — head in her plate; it initiated a nation-wide debate which ultimately led to a court hearing and Gross' resignation.
The man who used his own blood to paint Hitler, The Guardian, London
Tuesday May 16, 2000Kate Connolly meets Gottfried Helnwein, the Austrian who is still confronting his country's Nazi past
But as with his repressive Roman Catholic upbringing, it seems that Helnwein, born in 1948, will never escape the Nazi theme (in fact, he sees the two traditions as inextricably linked). Spurred into action by an interview in an Austrian tabloid in which the country's top court psychiatrist, Dr Heinrich Gross, admitted killing children at Vienna's Am Spiegelgrund Paediatric Unit during the war by poisoning their food, Helnwein painted Life not Worth Living - a watercolour of a little girl "asleep" on the table, her head in her plate. The painting sparked a nationwide debate that finally led to Gross appearing before a Vienna court in March. The judge ruled Gross was mentally unfit to be tried.
Outside the courtroom I met relatives of his alleged child victims, bearing photographs of them: their bellies distended from drug experimentation, their skulls clamped in head-measuring instruments. The brains of more than 400 of them ended up pickled in jars in the basement of the hospital where Gross experimented on them. Helnwein's first solo show in the UK consists largely of frail and tender formaldehyde-yellow or x-ray-blue images of pre-natal babies and children, reflecting the horror of the Nazi euthanasia programme, but brought close to the 21st century by the freshness of the Gross story. The huge portraits have been reworked from deformed teratological images from Austria's Anatomical Museum. — The Guardian, Kate Connolly, London, May 16, 2000
Gruesome legacy of Dr Gross, BBC NEWS
Thursday, May 6, 1999 Published at 13:11 GMT 14:11 UKAustria is preparing to hold its first Nazi war crimes trial for a quarter of a century.Jon Silverman delves into the Spiegelgrund's maccabre pastAn 83-year-old doctor, Heinrich Gross, has been charged with nine counts of murdering children at a psychiatric hospital in Vienna in 1944.
Seven hundred children were murdered there during the war years as part of the Nazi euthanasia programme, intended to eliminate anyone considered to be physically or mentally flawed.
After the war, Dr Gross became Austria's most celebrated forensic psychiatrist and did research on the brains of some of the children he is alleged to have murdered.
Lange hat es gedauert, aber nun kommt tatsächlich Licht ins Dunkel um den hartnäckigen Schutz, den der bis heute tätige Gerichtspsychiater und frühere NS-Euthanasiearzt "Am Spiegelgrund" in Wien, Heinrich Gross, durch die österreichische Justiz seit nunmehr 50 Jahren genießt. Zwei parlamentarische Anfragen des grünen Abgeordneten Karl Öllinger (parlamentaische Materialien 2143/J, 2612/J) und die Antworten des Justizminsters Michalek (2148/AB, 2597/AB), liegen nun vor . Zur Vorgeschichte ausgehend von den Gehirnpräparaten getöteter Kinder lest bitte in TATblatt plus 64 und plus 79 nach.
Folter und Euthanasie im NS-Reich
— Nebenwirkung: Kindermord
Wolfgang Neugebauer — Die "wissenschaftliche" Verwertung der Opfer der Kindereuthanasie vom "Spiegelgrund" ist untrennbar mit dem Namen Dr. Heinrich Gross verbunden. Sein Fall scheint von der Dimension und Konstellation sowohl in der Medizin- als auch in der Kriminalgeschichte einmalig zu sein. Heinrich Gross, Jahrgang 1915, seit 1932 in der NS-Bewegung, 1939 promoviert und - nach einem kurzen Intermezzo in der Anstalt Ybbs (während der Aktion "T4") - ab November 1940 in der Anstalt "Am Spiegelgrund" tätig. In dieser in der Wiener Heilanstalt "Am Steinhof" angesiedelten "Kinderfachabteilung" wurde 1940-1945 die NS-Kindereuthanasie durchgeführt, der mehr als 700 geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche zum Opfer fielen. Der an diesen Tötungshandlungen maßgeblich mitwirkende Heinrich Gross dürfte zu jenen vornehmlich jüngeren Ärzten gehört haben, die über den Tötungsauftrag hinaus die Situation zu "wissenschaftlichen" Zwecken ausnützten. Erst die Befreiung Österreichs durch die Alliierten 1945 beendete das medizinische Morden und das "Forschen" an Kindern und Jugendlichen, und die damals für die Behörden greifbaren Verantwortlichen und Beteiligten an den Psychiatriemorden wurden von der 1945/46 konsequent agierenden Justiz zur Verantwortung gezogen. Diese antifaschistisch geprägte Phase der österreichischen Nachkriegsentwicklung und -justiz wurde jedoch im Zuge des Kalten Krieges schon bald von einer lang anhaltenden Periode der Reintegration der ehemaligen Nationalsozialisten und der Dominanz der "Kriegsgeneration" abgelöst. Diese gesellschaftlich-politische Grundströmung kam auch dem Euthanasiearzt Dr. Heinrich Gross zugute. Nachdem Gross infolge sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis Ende 1947 die für NS-Täter in Österreich gefährlichen Jahre 1945/46 überstanden hatte, versuchte er wie viele andere wegen Kriegsverbrechen gesuchte Nazis unterzutauchen, wurde 1948 verhaftet und vom Volksgericht Wien 1950 zu zwei Jahren schweren Kerker verurteilt. Die Verurteilung erfolgte lediglich wegen Totschlags (nach � 212 RStG), da die Rechtssprechung (damals und danach bis 1997) davon ausging, daß an Geisteskranken oder -schwachen kein heimtückischer Mord begangen werden könne, da den Betroffenen "die Einsicht fehlte". Vom Vorwurf der Mitgliedschaft und Tätigkeit für die illegale NSDAP wurde Gross freigesprochen, weil den entlastenden Aussagen von NS-Funktionären höhere Beweiskraft zugebilligt wurde als den belastenden Dokumenten aus der NS-Zeit. Nachdem dieses Urteil wegen Widersprüchlichkeiten vom OGH aufgehoben und an die Erstinstanz zurückverwiesen worden war, zog die Staatsanwaltschaft Wien den Strafantrag zurück, und das Verfahren wurde 1951 eingestellt.
Wolfgang Neugebauer
Ansprache anlässlich der Präsentation von: Eberhard Gabriel, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Von der Zwangssterilisierung zur Ermordung. Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien, Teil II (B�hlau, Wien 2002) in Wien, 24. 4. 2002