May 13th, 2026
Kurier
Das höch­ste Ehren­zei­chen für Gott­fried Heln­wein
Wolf­gang Leh­ner
Gol­de­nes Kom­tur­kreuz. Lan­des­haupt­frau Johanna Mikl-Leit­ner wür­digte das Schaf­fen des welt­be­kann­ten Künst­lers.
Seine Werke sind unver­wech­sel­bar. Sein äuße­res Erschei­nungs­bild ebenso. Gott­fried Heln­wein, Künst­ler von Welt­rang, erhielt von Lan­des­haupt­frau Johanna MiklLeit­ner (ÖVP) eine der höch­sten Aus­zeich­nun­gen des Lan­des Nie­der­öster­reich, näm­lich das Gol­dene Kom­tur­kreuz des Ehren­zei­chens für Ver­dien­ste um das Bun­des­land über­reicht.

Seine hyper­rea­li­sti­schen Bil­der mit ver­letz­ten, ban­da­gier­ten oder in NS-Uni­form dar­ge­stell­ten Kin­dern sorg­ten seit jeher für Debat­ten. Sie the­ma­ti­sie­ren Gewalt, Schmerz und Missbrauch und ver­ste­hen sich laut Heln­wein als Dia­log und Anklage gegen Gewalt.Seine Kri­ti­ker wer­fen ihm hin­ge­gen eine „Ästhe­tik des Schreckens“vor. Heln­wein arbei­tete mit Grö­ßen wie Andy War­hol, Lou Reed oder Carl Barks zusam­men, ent­warf Cover für den Spie­gel, das Rol­ling Stone Maga­zine und das Time Maga­zine. Und er sorgte in Male­rei, Foto­gra­fie, Per­for­mance, Film, Thea­ter und Oper für Auf­se­hen.

„Irri­ta­tion, Betrof­fen­heit“Nicht zuletzt des­halb bezeich­nete ihn Mikl-Leit­ner als eines der letz­ten „Uni­ver­sal­ge­nies unse­rer Zeit“: mit sei­nen Arbei­ten habe er „neue Maß­stäbe gesetzt“. Heln­weins Werke seien zum Teil „ver­stö­rend und unbe­quem“. Einer­seits wür­den sie „Bewun­de­rung“aus­lö­sen, ande­rer­seits „Irri­ta­tion und Betrof­fen­heit“, so Nie­der­öster­reichs Lan­des­haupt­frau.„Gerade jetzt brau­chen wir eine Kunst, die uns auf­rüt­telt und berührt und die der Welt den Spie­gel vor­hält“, ver­wies Johanna Mikl-Leit­nerauf „die aus den Fugen gera­tene Zeit“.Und die Bezie­hung Heln­weins zu Nie­der­öster­reich? Gebo­ren im Wien der Nach­kriegs­zeit, ver­brachte er als Kind viel Zeit bei sei­nen Groß­el­tern in Kau­tzen­dorf bei Staatz im Wein­vier­tel. In spä­te­ren Zei­ten beschrieb er das Nach­kriegs­wien als „Hölle“und die Stille und Weite am Land in Nie­der­öster­reich oft als „Him­mel“.Auch seine eng­sten Jugend­freunde kamen aus Nie­der­öster­reich: Joschi Bra­mer, Man­fred Deix und Bern­hard Paul. Durch seine frü­here emo­tio­nale Ver­bin­dung zu Nie­der­öster­reich ver­lor er nie die Bin­dung und kehrt immer wie­der zurück. So wird anläs­slich sei­nes 80.Geburts­ta­ges in zwei Jah­ren in der Lan­des­ga­le­rie in Krems eine Per­so­nale zu sehen sein.Noch nie­mand zuvor habe ihm einen Preis oder eine Aus­zeich­nung ange­bo­ten, und diese Frei­heit und Unab­hän­gig­keit hätte er sich eigent­lich bewah­ren wol­len, meinte der Geehrte bei der Feier im Land­haus. Und: „Jetzt haben Sie mir einen Strich durch die Rech­nung gemacht – ich bedanke mich trotz­dem sehr.“Noch eine kleine Anmer­kung zu der Ehrung: In Wien hätte es ein Heln­wein-Museum geben sol­len. Das Pro­jekt soll aber am Wider­stand von Kul­tur­stadt­rä­tin Vero­nica Kaup-Has­ler (SPÖ) geschei­tert sein. In NÖ wurde er jetzt aus­ge­zeich­net.