December 1st, 2006
Wienbibliothek
"Wann ordnest Du Deine Bücher?" - Die Bibliothek H.C. Artmann
Hg. von Marcel Atze und Hermann Böhm

ISBN 3-85449-261-8ISBN 978-3-85449-261-0

Mit Donald Duck auf Weltreise

H.C. Artmann Comic-Lektüren

Stefan Winterstein

Gottfried Helnwein: Seiten 190-194, 198-201, 203

Poet HC Artmann und Renate Helnwein

MIT DONALD DUCK AUF WELTREISE

Stefan WintersteinWienbibliothekSonderzahl Verlagsgesellschaft2006

Das »dreidimensional[e] und farbig[e]«, »neue[] magische[] Universum« von Entenhausen, in das Gottfried Helnwein in seiner Kindheit aus dem nachkriegsgrauen Wien eintrat und von dem er auch seine Künstlerkollegen verlockt sieht, zeigt sich also in Jelineks Essay gerade auf eine beklemmende Eindimensionalität reduziert. Bei H. C. Artmann nun sind Disneys Protagonisten weder Götter oder Übermenschen noch kritisch analysierte eindimensionale Menschen, sondern schlicht - Menschen. Artmanns in obigem Helnwein-Interview zitierter Formulierung von Donald Duck als dem einzigen Menschen ist, wie sich zeigen wird, ein entschieden anderer Charakter eigen als Helnweins Rede vom göttlichen Donald. Sie ist im Umkreis des Dichters offenbar zur gerne reproduzierten oder auch variierten Weisheit geworden: »Der einzige mensch, der es heutzutage noch versteht, ordentlich die welt zu besehen, ist Donald Duck«, heißt es in Artmanns literarischem Tagebuch "das suchen nach dem gestrigen tag" (1964). In einem Exemplar des von Gottfried Helnwein illustrierten Edgar-AllanPoe-Bands Unheimliche Geschichten, das sich in Artmanns Bibliothek findet, liest man Helnweins Widmung (die beiden kannten einander persönlich): »Die einzigen Menschen, die uns heute noch etwas zu sagen haben, sind Donald Duck und H. C. Artmann«.