01.01.1988
Heiner Müller
BLACK MIRROR
Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine - exzellente - Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen?
Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun? Reflektiert sein Spiegel nur die Jahrhunderthaltung, LIEBER EIN SCHRECKEN OHNE ENDE ALS EIN ENDE MIT SCHRECKEN, die aus der Überbewertung des Todes kommt, Folge seiner Tabuierung durch Statistik. Perseus, der die Gorgo im Spiegel guillotiniert, und wenn der Kopf fällt, ist es der eigene.
Wie viel Köpfe hat ein Mensch / Mann in unserem Zeitalter der Spiegel?
14.07.1999
Wolfgang Bauer
Inspired by Helnwein
Schon 1963 malten ein Künstlerkollege und ich uns die schaurige Zukunft eines freischaffenden Künstlers aus. Es ging bei dem Gespräch weniger um die Finanzen als um die Notwendigkeit des sich bis ins Tiefste Fallenlassenmüssens. Ich kam damals auf die Idee, so etwas wie ein »Konditionstraining für Genies« zu erfinden. Rückblickend muß ich sagen, daß ich ganz wenige Künstler kenne, die dieses imaginäre Trainingsprogramm durchgehalten haben. Einer von ihnen ist Gottfried HeInwein.
01.06.1981
H.C. Artmann
Gottfried Helnwein
einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will.
er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden.
11.06.2021
Ludwig Museum Koblenz
Gottfried Helnwein - Meisterhafter Surfer durch die Untiefen menschlicher Abgründe
Klaus Honnef
Schlaf der Vernunft - Solo Exhibition Gottfried Helnwein
Wohl kein Künstler hat sich in den letzten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts genauer, tiefer und eindringlicher in das weitgehend versiegelte Gefüge der natürlich-biologischen, der anthropologisch-sozialen und der kulturellen Bedingungen der menschlichen Spezies („conditio humana“) eingegraben wie Helnwein. Unermüdlich hat er die artspezifischen Merkmale im Wechselspiel zwischen Genom, Epigenom, sozialem und kulturellem gesellschaftlichem Umfeld aus den Formationen biologisch-kreatürlicher Verklammerung vorhistorischer wie historischer Zeiten abgetragen und frei gelegt. Schicht um Schicht. Er hat sie aus den Verließen der verdrängten und vergessenen menschlichen Erfahrungen ins Sichtbare gehoben. Mit ihnen traten die zahllosen psychischen und physischen Beschädigungen, die sich durch den sich anschließenden zivilisatorischen Druck und die meist schmerzhaften kulturellen Anpassungen (keineswegs alle freiwillig) einstellten, wie von allein in Erscheinung.
02.06.2006
Kunstmuseum Lentos Linz
Präsenz und Dauer: Gottfried Helnweins Bilder
Stella Rollig
„In memory of the children of Europe who have to die of cold and hunger this Xmas“, schreibt der nach London emigrierte österreichische Maler Oskar Kokoschka im Winter 1945 auf den Entwurf zu einem Plakat. Auf eigene Kosten lässt er 5000 Stück drucken und in U-Bahn-Stationen affichieren.
Im Spätherbst 1988 montiert der ins Rheinland emigrierte österreichische Maler Gottfried Helnwein entlang einer 100 Meter langen Wand zwischen Kölner Dom und Museum Ludwig eine Reihe von vier Meter hohen Fotodrucken mit Kindergesichtern. Er nennt die Arbeit „Selektion (Neunter November Nacht)“. Es ist ein Werk von monströser Aussage und schmerzhafter Wirkung. Sein Titel ruft den Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht in Erinnerung, durch ihn gibt Helnwein den Kinderporträts ihren beinahe überwältigend erschütternden Effekt.
Während wir mit Gottfried Helnwein seine Ausstellung für das Lentos Kunstmuseum vorbereiten, recherchiere ich gleichzeitig für ein anderes Projekt über Kokoschka. Die Geschichte der Londoner Plakate ist mir neu. Unbeabsichtigt und unerwartet blenden sich die beiden Künstler-Leben für einen kurzen, berührenden Moment ineinander. Mit beträchtlichem Einsatz an Gestaltungskraft, Kommunikationsfähigkeit, organisatorischer Erfahrung, Umsetzungsenergie und finanziellen Mitteln widmen sich beide Künstler aus gegebenem Anlass einem Appell: Zur Erinnerung!
05.01.2013
Albertina Museum Vienna
Gottfried Helnwein oder Die Ästhetik der Angst
Klaus Albrecht Schröder
Retrospektive 25. Mai 2013 - 13. Oktober 2013
Was inspiriert Helnwein zu solchen ungeheuerlichen Albträumen? Woher bezieht er seine Einsichten in die Gemeinheit und Niedertracht menschlicher Natur? Woher rühren seine geradezu halluzinatorischen Fähigkeiten? Was hat ihn die Massaker an amerikanischen Schulen sehen lassen, noch ehe sie sich ereignet haben? Helnwein spürt den auf Gewalt und autoritärer Unterdrückung basierenden Kitt, der unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: Die Ausbrüche der Gewalt überraschen ihn so wenig wie den Seismographen die Eruption eines Vulkans.
Diese Darstellungen der Schattenseiten sind umso verstörender, je schöner und ruhiger sie werden. Helnweins Bilder der letzten Jahre sind aggressiv und erhaben zugleich. Sie sind abstoßend und von einer verführerischen Schönheit. Sie feiern den Schmerz und die Wunde als Moment einer erhabenen Melancholie, sie zelebrieren das Pathos der Grausamkeit. Die Erhabenheit verdankt sich dem scharfen Wechsel zwischen den tiefen Schatten und hellen Zonen, die wie mit Scheinwerfern aus der Dunkelheit herausgeschnitten sind. Helnwein malt ruhige Zustände träumerischer Unwirklichkeit, die umso mehr beunruhigt, je weniger wir die Ursache der Gewalt und des Zwangs kennen.
25.10.2023
Albertina Museum, Wien
Von Hitler bis Micky Maus. Realität und Fiktion im Werk von Gottfried Helnwein
Elsy Lahner
Solo Show 'Fiktion und Realität', Albertina, Wien, 2023/24
25.10.2023
Abertina Museum, Wien
Ränder aus Rätselhaftem und die Macht der Vorstellungs Kraft: Gottfried Helnwein als Stilist und Erzähler
Klaus Speidel
Solo Show Gottfried Helnwein - Realität und Fiktion
01.01.1997
Staatliches Russisches Museum St. Petersburg
Die Subversive Kraft der Kunst
Klaus Honnef
Kurator für Fotografie, Rheinisches Landesmuseum, Bonn
Gottfried Helnwein - Ein Konzeptkünstler vor der Jahrtausendwende
Ist es purer Zufall , daß der Österreicher Helnwein von dem Deutschen und Amerikaner ein Porträt entworfen hat? Zufall daß er Warhol als erschreckendes Schattengespenst fotografisch fixiert und Beauys gemalt hat?
Darüber hinaus das gemalte Porträt von Beauys wieder fotografiert hat , in den Händen von Arno Breker, Adolf Hitlers liebstem Bildhauer? Es spricht viel dafür , daß Helnwein der legitime Erbe von Beauys und Warhol ist.
17.02.2006
Neue Nationalgalerie, Berlin
Melancholie - Genie und Wahnsinn in der Kunst
Moritz Wullen
Leiter des Referats für Ausstellungen der der Staatlichen Museen zu Berlin
MÉLANCOLIE, GÉNIE ET FOLIE EN OCCIDENT
Die Zurschaustellung des eigenen Körpers als Verwesungsmasse beginnt mit den Selbstporträts von George Grosz als Suizidgestalt im Kaffeehaus und reicht über die wie durch den Fleischwolf gedrehten Konterfeis eines Francis Bacon bis hin zur Leichenfledderei am eigenen Leib bei Günter Brus, Kurt Kren oder Frank Tovey, dem jüngst verstorbenen Enfant terrible der experimentellen New-Wave-Szene der 1980er Jahre. Die Befreiung des melancholischen Bewusstseins durch den Tod bietet keine philosophische Perspektive mehr. Es ist ihm ohnedies schon anheim gefallen. Stattdessen wird der Suizid in einer Performance masochistischer Selbstverstümmelung kultisch sublimiert.
In einer fotografischen Inszenierung Gottfried Helnweins erhebt sich der Künstler, fäulnisschwarz und monumental wie das Mahnmal einer letzen Einsicht: “So ist Verzweiflung, diese Krankheit im Selbst, die Krankheit zum Tode. Der verzweifelte ist todkrank. Der Tod ist nicht das letzte der Krankheit, aber der Tod ist in einem fort das Letzte. Von dieser Krankheit erlöst zu werden durch den Tod ist eine Unmöglichkeit, denn die Krankheit und deren Qual und der Tod ist gerade, nicht sterben zu können.”
So ist die Geschichte der Moderne nicht zuletzt auch eine Erfolgsgeschichte der Melancholie und des Eindringens ihres schwarzen Spuks in die letzten Paradiese des Seins- und Weltvertrauens.
01.01.1985
Peter Gorsen
GOTTFRIED HELNWEIN, DER KÜNSTLER ALS AGRESSOR UND VERMALEDEITER MORALIST
Graphische Sammlung Albertina, Wien
Ausstellungskatalog
Neben Skizzen von Ballet tanzenden Hasen und gestiefelten Katzen, strangulierten und gestopften Enten finden sich Studien oder eher Wunschzeichnungen zu malträtierten Kinderköpfen, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr, so etwas wie kindliche Autonomie in der depravierten Erwachsenenwelt signalisieren. Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung. Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit.
03.11.2021
Ludwig Museum, Koblenz
Vom Schlaf der Vernunft – Ein Weckruf
Beate Reifenscheid
Mit seinen „Disasters of war“, die eine eigene Enzyklopädie des Grauens entfalten, die er an der vermeintlichen Unschuld der Kinder zerschellen lässt, meinen eine zutiefst glaubhafte Bezugnahme auf Goyas gleichnamiges Radierepos. Die „Desastres de la guerra“, die der spanische Künstler zwischen 1810 und 1814 schuf, umfassen 82 unterschiedliche Blätter und sind somit fast genauso umfangreich wie die Caprichos. Goya bezieht sich seinerseits auf eine Tradition von Kriegsdarstellungen, in denen unmenschlichen Handelns gebrandmarkt wird. Goyas Bezugnahme, insbesondere auf den französischen Grafiker und Radierer Jacques Callots und dessen „Les grandes misère de la guerre“ von 1632, ist unübersehbar.
Helnwein selbst hat bereits über 60 Varianten dieses Themas innerhalb seines Panoptikums von Kriegsszenerien geschaffen, wobei er nun die beiden Sujets – die unschuldigen Mädchen sowie die Historiographie der NS-Ära – zusammenführt und teils mit der Künstlichkeit der japanischen Comicsprache kombiniert. Wieder erzeugen die hyperrealistischen Darstellungen Momente des Glaubhaften und Realen, selbst dann noch, wenn sich das Hyperreale als reine Inszenierung entäußert.
07.07.2021
klaushonnef.de
Die Malerei ist tot. Es lebe die Malerei.
Klaus Honnef
Die Malerei ist tot. Es lebe die Malerei. Zu einem Triumph der Malerei gestaltete sich die brillant von Beate Reifenscheid inszenierte Ausstellung von Gottfried Helnwein im Ludwig Museum Koblenz.
14.05.1987
Klaus Albrecht Schröder
DAS VORDERGRÜNDIGE IST DAS ABGRÜNDIGE
Kunstforum, Wien
Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
Es läßt sich schwerlich leugnen, daß die Aggressions- und Verletzbarkeitssymbolik von Helnweins bekanntem, mehrfach variierten Selbstportrait mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund etwas von einer selbstevidenten Metapher für eine elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz hat.
04.01.2013
Albertina Museum Wien
Gottfried Helnwein – Die Sichtbarmachung des Schreckens
Elsy Lahner
Kurator
Retrospektive 25. Mai 2013 - 13. Oktober 2013
Über die Jahre hinweg blieb das Kind in Helnweins Werk ein konstantes, geradezu obsessives Thema, das er variiert und weiterentwickelt hat. Er hat es in den unterschiedlichsten Medien verarbeitet – in seinen Aktionen und deren fotografischer Dokumentation, in der späteren Farbfotografie ebenso wie in seinen Arbeiten auf Papier, in der Malerei und selbst in seinen Bühnenbildern für Theaterinszenierungen.
02.06.1988
Peter Gorsen
Die Verwandlungskunst des Doppelgängers
Der Untermensch
Edition Braus
Zum Selbstbildnis bei Gottfried Helnwein
Gleichzeitig mit den ab 1969 gemalten Bildnissen verletzter und mißhandelter Kinder wird um 1971/72 das bandagierte Kind als die neben dem Künstler wichtigste und mit ihm verbündete Märtyrerfigur in der Aktion dargestellt. Es verkörpert den unschuldigen, wehrlosen, der Gewalt ausgelieferten, geopferten Menschen. Als unschuldigem "Lichtkind", dessen Verletzungen an Kopf und Händen Lichtstrahlen wie selbstleuchtende Stigmen aussenden, wird him die gleiche Heroisierung zur Dulder- und Erlöserfigur wie dem Künstler zuteil. In einer Fotosequenz von 1972 wird diese Lichtmystik auf das Selbstbildnis des Märtyrer-Künstlers ausdrücklich übertragen. Die Wundmale und Knebelungen des Gesichtes verwandeln sich in den mit einer Grattage-Technik bearbeiteten Grimassenfotos zu weiß strahlenden Leuchtspuren.
Das Gruppenbildnis mit Kindern wird Helnwein, wie auch seine zahlreichen Aktionen mit Kindern in der Öffentlichkeit zeigen, künftig nicht mehr loslassen. Sein Eintreten für die Rechte des Kindes grenzt sich ab von jeder Kindertümelei, die in einer gesellschaftlich ausgegrenzten "Kinderkultur", den kommerzialisierten "Kindermedien", in Kind als pädagogischem Objekt und in der ideologischen Verklärung der eigenen Kindheit durch die Erwachsenen ihren Ausdruck findet.
Abgrenzbar ist Helnwein auch vom Wiener Aktionismus, wenn er den Körper des Kindes nicht zum ästhetischen Material (wie in den "Materialaktionen" von Günter Brus, Hermann Nitsch und Otto Muehl) nivelliert, sondern ihm eine symbolische Stellvertreterfunktion für den wehrlosen, geopferten Menschen verleiht. Dem sexualistischen Verständnis des Kindes im (Freud rezipierenden) "Wiener Aktionismus" setzt der Moralist und Weltverbesserer Helnwein die geschlechtslose Heilsgestalt des Kindes entgegen.
Die Tendenz zur patriarchalen Verklärung und Idealisierung eines unschuldigen, opferbereiten Kindmenschen, der Kinder und Künstler als einzige kreative Interessengemeinschaft umfaßt, während der weibliche Mensch ausgescholossen bleibt und in den Geltungsbereich der übrigen ästhetischen Objekte fällt, unterscheidet Helnweins Bildwelt wesentlich von Pansexualismus und Triebanarchismus der einstigen Wiener Aktionsgruppe. Das idyllische Gruppenbild des Künstlers als Schmerzensmann mit malträtierten Kindern hat auch einen lebensgeschichtlichen, autobiographischen Aspekt, seitdem die eigenen aufwachsenden Kinder Cyril, Mercedes und Ali zu Modellen der Live- und Fotoaktionen avanciert sind.
25.05.2005
30. Deutschen Evangelischen Kirchentag
In einer bewegenden Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover sind zur Zeit Bilder des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein zu sehen.
Dr. Margot Käßmann
Landesbischöfin
Eins zeigt ein Mädchen mit frechem Gesicht und Blindenband um den Arm, das die Zunge herausstreckt. Erst habe ich gelächelt. Wer den Blick länger verharren lässt, sieht, dass dem Mädchen Blut zwischen den Beinen herunterläuft. Es wurde ganz offensichtlich missbraucht, ihm wurde Gewalt angetan.... Ja, Kinder sind verletzbar. Kindheit kann grausam sein, wenn Kinder ausgeliefert sind. Ich denke an sexuellen Missbrauch, eine unglaublich Form von Folter an Menschen, die lebenslang an dem Trauma leiden werden. Ich denke an Kindersoldaten in Togo, im Kongo, im Sudan. Zerstörte Leben, brutal geopfert für idiotische Machtkämpfe, in denen Zerstörung das oberste Gebot ist, in denen es keine Ziele mehr gibt. Ich denke an Kinder in Indien, die schuften schon mit fünf Jahren um ein paar Münzen zu verdienen, damit ihre Familie überleben kann. Ich denke an die 12-jährigen Judith Wischnajatskaja, die im Juli 1942 in ihrem letzten Brief schrieb: “Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von Dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebendig in die Grube geworfen.“
19.02.1988
Die Zeit
Die Kieler Affäre - in mörderischen Tänzen
Rolf Michaelis
Choreographisches Theater in Heidelberg. "Macbeth"
von Johann Kresnik
und Gottfried Helnwein
Es gelingt Kresnik und Helnwein uns mit einer grausigen Mord-Ballade zu fesseln, die mit höhnischem Gelächter vor unseren Augen vorbeirast - wobei der schon dem Tod geweihte neue Herrscher statt der Krone eine zwar goldene, aber noch Narren-Kappe wie eine Tiara trägt.
Sieger, so die Botschaft, gibt es im tödlich närrischen Kampf um die Macht nicht. Sieger in Heidelberg sind, in einer glanzvoll wüsten Inszenierung: Gottfried Helnwein, Johann Kresnik und das mitreißend auftrumpfende Ensemble von siebzehn Tänzerinnen und Tänzern.
01.01.1981
Wolfgang Bauer
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS
SONG FOR HELNWEIN
ZU BODEN WIRFT DER TRÄUMER DEN BLICK / SCHWERER REGEN WIRD FALLEN / DURCH SEINE AUGEN / IM SCHLENDERN / DIE ROTEN HÄNDE IN DEN RAUHEN MANTEL GEBALLT / TIEF IN DER MAGENGRUBE / FÜHRT ER DIE SONNIGEN TEMPEL / BRENNEND UNTER DEM TAGESBLAU / SPAZIEREN / ÜBER DEN
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS
GEHEN, GEHEN / SCHLURFEN IN DER DAMPFENDEN NÄSSE / DIE GESPIEGELTEN THEATERREKLAMEN WEGKICKEN / VOM GLITSCHIGEN TROTTOIR / IN DEN PEEP-SHOWS VERTROCKNEN / MENSCHEN REMPELN / AUS LIEBE / SICH DIE KÖPFE AN EISENGELÄNDERN ZERSCHLAGEN / IM MILCHIGEN KNEIPEN / DEN ZITTERNDEN KÖRPER MIT SCOTCH FÜLLEN / LÖSCHEN IRGENDWO AM /
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS
01.09.1994
DuMont, Buchverlag, Köln
ENDZEITSTIMMUNG - DÜSTERE BILDER IN GOLDENER ZEIT
Gregory Fuller
Das Gewaltthema und das Thema "der als Opfer" setzten sich von Beckmanns früher Arbeit von 1907 bis zum heutigen Tag fort. Bei Bruce Naumann, Marcel Odenbach, Jeff Wall und Gottfried Helnwein wandeln sich zwar die künstlerischen Mittel radikal, nicht aber das Thema selbst.
Helnweins faszinierendes Oeuvre umfaßt absolute Gegensätze. Helnwein ist ein Künstler der kompromißlosen Aussagen: Das Triviale, etwa der Disneykultur, wechselt ab mit Untergangsvisionen der Seele, die Göttlichkeit des Kindes kontrastiert mit Horrorbildern von Kinderschändung. Sein Grundthema aber bleibt die Gewalt, das physische und seelische Leid, das ein Mensch dem anderen zufügt. Der Künstler variiert dieses Thema innerhalb zweier Komplexe, die sich über viele Jahre hin durch sein Werk ziehen.
01.01.1998
Klaus Honnef
Das Versprechen der Fotografie
Prestel, München, New York
Die Sammlung der DG Bank
Gottfried Helnwein
Helnweins künstlerische Praxis beruht auf der Erkenntnis der grundsätzlich unterschiedlichen Seinsformen von Fotografie und Malerei. Einerseits schöpft er als einer der konsequentesten Multimedia-Künstler überhaupt die spezifischen Möglichkeiten der jeweils verwendeten Medien bis zu den Grenzen ihrer Horizonte aus -- neben Fotografie und Malerei die Zeichnung und die Performance -, spiegelt sie andererseits, aber auch gewissermassen ineinander, so dass sie sich gegenseitig erhellen und ihre Wirkung steigern.
18.04.1987
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Der Künstler als Märtyrer
Peter Gorsen
Die suggestiven Bildmontagen Gottfried Helnweins
In Wirklichkeit ist Helnwein kaum einzuordnen. Bei ihm findet sich ebenso ein kleinmeisterliches Werk skurril-phantastischer Zeichnungen in der Nachfolge von Redon und Kubin. Meist vergessen wird auch sein Engagement gegen autoritäre Erziehung, Wettrüsten, Verschmutzung der Umwelt und Psychiatrie. Helnwein hat die Motive und Formen der Populärkultur in teils karikierender, teils grotesk verfremdender Absicht verwendet. Sein penetranter Hypernaturalismus beunruhigt, grenzt an ironische Übertreibung. Die Brecht-Benjaminsche Maxime "Nicht an das gute Alte anknüpfen, sondern an das schlechte Neue" hat bereits seine Anfänge in den frühen siebziger Jahren bestimmt.
So wurde für ihn das grenzüberschreitende Arbeiten mit Mitteln ebenso der Fotografie, Comic strips, Science-fiction wie der realistischen Malerei eine selbstverständliche Konsequenz.
Helnwein hat den "ruhig theatralischen" Verzückungsgestus seines Selbstbildnisses mit der heroischen Haltung der leidenden Sebastians-Figur verglichen und beides zum Stigma des Künstlers im 20. Jahrhundert, einer quasi religiösen Erlöserfigur, verallgemeinert. Sein poetischer Bildtitel bringt den Betrachter zusätzlich auf die richtige Spur. Die optische Montage des modernen Künstlers als Schmerzensmann mit dem Landschaftsbild Friedrichs projiziert die gescheiterte Hoffnung der romantischen Rebellion auf die Gegenwart, auf das verinnerlichte, masochistisch gewordene Protestdenken der Moderne und ihre ästhetischen Grenzüberschreitungen. Kehrt die Romantik wieder? Nein, sie hat die Moderne in Wahrheit nie verlassen. Doch verengt und verinnerlicht sich ihre Rebellion in den irrationalen "Körpermetaphysiken" der zeitgenössischen Künstler auf das eigene Fleisch und Blut.
01.01.1988
Schroedel Schulbuchverlag
GRUNDKURS KUNST 1
Michael Klant, Annemarie Schulze-Weslarn, Josef Walch
Material für den Sekundarbereich II:
Malerei, Grafik, Fotografie. SELBSTPORTRAIT,
Albrecht Dürer, Rembrandt, Angelika Kaufmann, Caspar David Friedrich, Vincent van Gogh, Max Beckmann, Salvador Dali, Arnulf Rainer, Gottfried Helnwein.
Fotorealistischer Aufschrei, Gottfried Helnwein's Selbstportrait, 1983
12.04.1989
ZEIT magazin
Erinnerungen an Entenhausen
Gottfried Helnwein
Nachts war mein Kinderzimmer in ein tiefes rotes Licht getaucht - meine Spielsachen, die Möbel, mein Bett, meine Hände - alles hatte die gleiche Farbe und schien aus demselben weichen Material zu sein. Als wären die Naturgesetze aufgehoben, schien alle Materie von innen heraus zu glühen.
Die Ursache dieser roten Wundernächte war der riesige leuchtende Stern der Roten Armee auf dem Dach der Fabrik gegenüber, der nachts seine Glut in meine Kinderstube goß.
01.01.1997
Museum für Neue Kunst, ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie), Karlsruhe
Kunst der Gegenwart/Contemporary Art
Heinrich Klotz
Direktor, Museum für Neue Kunst, ZKM, Karlsruhe
Mit Beiträgen von Horst Bredekamp und Ursula Frohne
(Auszug)
In seinen Gemälden und Grafiken arbeitet Helnwein besonders in der Mitte der 80er Jahre gleichzeitig mit unterschiedlichen Techniken: Abstrakte, gestische und monochrome Malerei stehen neben Fotorealistischen Porträts, Aquarell und Zeichnung neben Fotografie, die er zum Teil stark überarbeitet.
Dabei integriert er Bildzitate aus Politik, Massenmedien und Trivialkultur. Bevorzugter Gegenstand seiner Arbeiten sind Kinderbilder, Porträts und Menschen in einem oft trostlosen Stadtraum.
01.06.2006
Lentos Museum of Modern Art Linz
Die Suche nach Sichtbarkeit - Was wollen Helnwein-Bilder?
Thomas Edlinger
Essay
Helnwein verbirgt eine mögliche seelische Aufgewühltheit oder Traumatisierung seiner Bildmodelle, die beispielsweise durch die schwarzen, faschistoid und fetischisiert zugleich wirkenden Uniformteile nahe gelegt werden könnte, hinter dem gesetzten Ausdruck seiner Kindergesichter. Wie Laokoon schreien diese wie aus Wachs gemeisselten, "schönen“ Kinder nicht mehr. Sie ertragen etwas, das nicht benannt wird und doch sichtbar wird. Sie kommunizieren in ihrer Intimität eine unauslotbare Abgründigkeit. Die Irritation des Betrachters entsteht daraus, diesem Geheimnis nicht auf die Spur kommen zu können. Die Wunde soll wach gehalten werden, und keiner soll sie heilen dürfen.
01.04.1990
Medizin+Kunst
Gottfried Helnwein
F.S.
Der Maler des Menschen als Opfer in seiner Qual
Helnwein zeigt wie nur wenige Künstler in schonungsloser Offenheit und Direktheit den Menschen als Opfer in seiner Qual -- ausgeliefert einer Umwelt voller Bedrohungen. Damit fügt er sich ein in die Reihen so bekannter Maler wie Pieter Breughel, Egon Schiele oder Francis Bacon, die er letzlich in bezug auf ungeschminkte, überzeichnete Darstellungsformen noch weit übertrifft.
16.11.1989
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zeichenopfer
Roland Gross
Gottfried Helnwein in Essen.
Durch die Ausstellung im Essener Museum Folkwang mit über fünfzig Pastellen, Aquarellen, und Zeichnungen, die zusammen eine konzentrierte Werksübersicht seit 1969 ergeben, führt jener, blutrote, nicht zuletzt austriatypische Faden.
Seine Kinder waren immer verletzt, mißraten, dannoch voll trotziger Phantasie. Anfang der siebziger Jahre fertigte der 1948 in Wien geborene Gottfried Helnwein die lieben Kleinen in einer porentief detailbesessenen Mischtechnik aus Farbstift, und Aquarell: Rosa Puffärmel, aus denen bandagierte Hände zum Vorschein kommen, Pupillen, die ebenso puttenhaft kullern wie gespenstisch verdreht sind. Oft war die Lippenpartie eingeschnitten, narbig vernäht und lege einen Teil des Gebisses frei.
Immer traf man hier auf einen jungen Verwandten jenes von dem Politbarden Franz-Josef Degenhardt erdachten Hasenscharten-Kindes, "das biß, wenn's bitte sagen sollt". Auch die Federzeichnungen, die in der Nachfolge des dunklen Phantasten Alfred Kubin zwischen 1974 und 1979 entstanden, waren deutlich geprägt durch das Thema "Kind", ebenso wie die ganz frühen Wiener Straßenaktionen, an denen Kinder mit Kopfbandagen beteiligt waren ("Aktion Sorgenkind", 1972).
10.12.2003
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
The Subversive Power of Art: Gottfried Helnwein - A concept Artist before the Turn of the Millenium
Klaus Honnef
Curator for Photography and New Media at Rheinisches Landesmuseum, Bonn
Klaus Honnef
Es gibt gewichtige Gründe, um Helnwein als den legitimen Erben Beuys und Warhols zu bezeichnen. Einerseits folgt er in seinen Werken rituellen Mustern, andererseits spielt er mit einer Reihe von künstlerischen Variationen. Er untergräbt die Magie der Bilderwelt, indem er einen Störfaktor einbaut, durch den ein Schock im Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachter entsteht. Helnwein vermischt Altes mit Neuem, und sein Stil spiegelt den Beginn der Moderne, aber auch die Welt des Cyberspace wieder. Einen großen Einfluss hat das Wien der sechziger Jahre auf ihn. Auch wird er von der Welt des Comics inspiriert. Helnwein besuchte die 'Höhere Graphische Bundeslehr- und Versuchsanstalt'. Um gegen die tägliche Routine des Klassenzimmers zu protestieren, schnitt er sich mit einer Rasierklinge die Hände auf. Durch diesem Vorfall wurde ihm bewußt, wie hilflos die Gesellschaft auf körperliche Ungerechtigkeit und auf Verletzungen reagiert. Nach dem Abschluss an der 'Graphischen' besuchte er die Wiener Akademie der Künste. Zu dieser Zeit tauchte auch zum ersten mal eines seiner Leitmotive auf: Kinder. Durch das Malen von verletzten Kindern verursachte Helnwein eine Art Schock, und brachte somit den 'Horror' zurück in die Kunst. Damit zeigte er offen den Zynismus einer Gesellschaft, die nicht mehr die Dinge so sieht, wie sie sind, dessen Sichtweise aber durch 'Bilder über Dinge' geprägt ist.
02.07.2021
Sale Monumentali, Biblioteca Nazionale Marciana, Venice
Gottfried Helnwein - Quel silenzioso bagliore
Manfred Müller
Solo Exhibition - Catalogue
19.06.2005
Ludwig Museum Schloss Oberhausen
„Dass Kunst so mächtig ist, einen Vorgang, den sie zum Thema hat, nochmals hervorzurufen.....
Dr. Antje Vollmer
Vizepräsidentin des deutschen Bundestages
Auszug aus der Rede zur Ausstellungseröffnung „Gottfried Helnwein - Beautiful Children“
im Ludwig Museum Schloss Oberhausen, am 19. Juni 2005
...Bei diesem ersten Besuch habe ich erkannt, dass dieses nur ein Teil von einem Versuch ist, ein Gesamtkunstwerk als Künstler zu schaffen, das nichts ausblendet, nicht die Schönheit der Welt, von Landschaften, von menschlichen Gesichtern, von der Offenheit und Reinheit menschlicher Wesen, bis zum Zauber der selbst von Kindern ausgehen kann, die Gottfried Helnwein immer „diese zarten Geschöpfe“ nennt. Immer ist es eine Art von Vorsicht und außerordentlich großer Sensibilität, die gleichzeitig gekoppelt und kontrastiert wird mit diesem unglaublich intensiven Ausdruck von Schmerz, Verletzung, Zerstörung, Bedrohung, Alptraum, Nachtgesichtern, und Traumfantasie. Diese Mischung, das ist Gottfried Helnwein, er war nie nur das eine.
Dass er bei dem Allem auch außerordentlich politisch ist, das möchte ich gerade bei so vielen Künstlern, die heute ein Programm der reinen Spaßkultur verkörpern, audrücklich lobend erwähnen. Dass es jemanden gibt, der sich als politisches Wesen in seinen Bildern äußert und damit auch politische Wirkungen erzeugt. Die Gegenstände dieser Kunst sind nicht besonders einfache , schöne, gefällige. Sie haben sehr viel Heftigkeit in den Reaktionen erzeugt. Das gehört dazu, wenn man ein politischer Künstler ist. Wer gefällt der lügt. Das größte Verbrechen eines Künstlers ist, wenn er sich der Lüge, der Gefälligkeit aussetzen würde.
01.05.1996
fotoMAGAZIN
Fotografen und Maler
AEM
Interview mit dem Kunstsammler Peter Ludwig
fm: Sie haben sich als renommierter Kunstkenner auch mit Gemälden beschäftigt, die nach Fotos gemalt wurden - etwa von Malern wie Gerhard Richter und Gottfried Helnwein. Beide haben Porträts gemalt "wie fotografiert" - was reizt Sie daran?
Ludwig: Das Foto ist seit der Erfindung der Fotografie ein wesentliches Medium auch für die Maler. Der ganze Impressionismus ist undenkbar ohne Fotografie. Der Bildaufbau der Impressionisten kommt von der Fotografie. Und bedeutende Impressionisten waren auch bedeutende Fotografen.
fm: Wozu denn so etwas wie die Arbeiten von Richter oder Helnwein, die Lexikonfotos abmalten?
Ludwig: Der Künstler benutzt die Fotovorlagen, um daraus Bilder zu machen - und das ist etwas, was es schon im 19. Jahrhundert gab. Lehnbach hat seine berühmten Porträts der Zeitgenossen nach Fotos gemalt. Richter und Helnwein haben den Fotovorlagen einen zusätzlichen Akzent gegeben - sie haben sie in Bilder umgesetzt und nicht kopiert.
01.12.1994
Lexikon der Kunst in zwölf Bänden
Helnwein, Gottfried
Wolf Stadler
Gesamtleitung
Malerei - Architektur - Bildhauerkunst
Lexikalische Enzyklopädie mit über 10, 000 Stichwörtern über alle Gattungen der bildenden Künste und der Baukunst von den Anfängen der Kunst bis zur unmittelbaren Gegenwart.
30.11.2006
Wienbibliothek
Mit Donald Duck auf Weltreise
Stefan Winterstein
H.C. Artmann Comic-Lektüren
Das »dreidimensional[e] und farbig[e]«, »neue[] magische[] Universum« von Entenhausen, in das Gottfried Helnwein in seiner Kindheit aus dem nachkriegsgrauen Wien eintrat und von dem er auch seine Künstlerkollegen verlockt sieht, zeigt sich also in Jelineks Essay gerade auf eine beklemmende Eindimensionalität reduziert. Bei H. C. Artmann nun sind Disneys Protagonisten weder Götter oder Übermenschen noch kritisch analysierte eindimensionale Menschen, sondern schlicht - Menschen. Artmanns in obigem Helnwein-Interview zitierter Formulierung von Donald Duck als dem einzigen Menschen ist, wie sich zeigen wird, ein entschieden anderer Charakter eigen als Helnweins Rede vom göttlichen Donald. Sie ist im Umkreis des Dichters offenbar zur gerne reproduzierten oder auch variierten Weisheit geworden: »Der einzige mensch, der es heutzutage noch versteht, ordentlich die welt zu besehen, ist Donald Duck«, heißt es in Artmanns literarischem Tagebuch "das suchen nach dem gestrigen tag" (1964). In einem Exemplar des von Gottfried Helnwein illustrierten Edgar-AllanPoe-Bands Unheimliche Geschichten, das sich in Artmanns Bibliothek findet, liest man Helnweins Widmung (die beiden kannten einander persönlich): »Die einzigen Menschen, die uns heute noch etwas zu sagen haben, sind Donald Duck und H. C. Artmann«.
23.04.1989
PRO MEMORIA
Projekt Antonin Artaud - Fremd im eigenen Körper: Auswanderungen
Wohnung Heiner Müller
Ost-Berlin
Heiner Müller, Hans Kresnik und Gottfried Helnwein arbeiten an einem Theaterstück über Antonin Artaud
Da es schwierig und gefährlich ist, Antonin Artaud darzustellen, wird vorgeschlagen, von einer dreidimensionalen, plastischen Vorlage auszugehen. Gottfried Helnwein entwirft Skizzen ohne thematische Einschränkung, radikal seiner subjektiven Vision folgend. Diese Entwürfe dienen Heiner Müller zur Reflektion und Bildbeschreibung.
31.05.1989
PRO MEMORIA II
PROJEKT ANTONIN ARTAUD - FREMD IM EIGENEN KÖRPER II
Atelier Helnwein
Schloss Burg Brohl
Heiner Müller, Hans Kresnik und Gottfried Helnwein arbeiten an einem Theaterstück über Antonin Artaud
Am 31.5 und 1. 6. 1989 trafen sich Heiner Müller, Hans Kresnik, Gottfried Helnwein und Ismael Ivo in Helnweins Atelier auf Schloss Burgbrohl um die Arbeit an dem Theaterstück über Antonin Artaud fortzusetzen. Das Stück ist nie realisiert worden, die Arbeitsnotizen sind in Teilen erhalten.
Für die Struktur des Stückes sollten drei bis fünf Motive über Artaud als Variationen erscheinen wie bei einer Komposition. Heiner Müller sagt, er könne am besten nach Bildern schreiben. Er schlägt vor: Helnwein solle alle erdenklichen Variationen zu dem Thema zeichnen und malen, die als Inspiratione dienen sollen, und auf deren Grundlage Kresnik die Choreographie erarbeiten soll.
01.06.1999
Niederösterreichisches Landesmuseum
Gegen die Harmlosigkeit in der Kunst
Peter Zawrel
Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums
Apokalypse, eine Installation von Gottfried Helnwein in der Dominikanerkirche in Krems
Zum Wesen der Apokalypse gehört die Zuspitzung aller Gegensätze, die unbedingte Herbeiführung einer Entscheidung. Der Erzengel Michael stürzt den Drachen Satan zur Erde, womit zwar im Himmel der Kampf gegen das Böse entschieden ist, auf Erden jedoch erst jenes Inferno ausgelöst wird, welches Voraussetzung für den Weg durchs Gericht in das "Neue Jerusalem" ist. Für die Ausstellung in der Kremser Dominikanerkirche - zweifelsohne ein Ort, der aufgrund seiner Aura und kulturhistorischen sowie kultischen Bedeutsamkeit die Intensität von Helnweins Bildern noch zu steigern vermag - hat Helnwein verschiedene vorhandene Werke, zurückgehend bis 1986, unter einem bestimmten Aspekt neu gruppiert und mit neuen, für die Ausstellung fertiggestellten Bildern ergänzt. Der von ihm gewählte Titel "Apokalypse" erschließt sich nicht über die Umgangssprachliche Verwendung des Wortes, sondern nur über seine tatsächliche Bedeutung im Sinne von "Offenbarung der letzten Dinge". Diese sind schrecklich, und in Helnweins Bildern führt kein Weg aus der Finsternis der Beklemmung, die sie bewirken.
30.11.2004
Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster
Der Schrei.
Andreas F. Beitin
Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades
Kunst- und Kulturgeschichte eines Schlüsselmotivs in der deutschen Malerei und Grafik des 20.Jahrhunderts
Der Schrei im Selbstbildnis als Gesellschaftskritik -
Wohl kein autoporträtatives Schaffen ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts derart mit einer expressiven Gesellschaftskritik, mit einer Anklage verbunden, wie das von Gottfried Helnwein. Der Künstler macht sich um einer schonungslosen Aussage willen zum schreienden, zum stellvertretend leidenden Objekt seiner Bilder: „Ich will mit meinen Bildern und Aktionen die Menschen aus ihrer Eingefrorenheit lösen, wenn auch nur eine Sekunde lang, will sie verunsichern und zu spontanen Reaktionen hinreißen. Verunsichern, aber nicht destruktiv. Die logische Denkfähigkeit soll zugunsten totaler Selbstöffnung kurz trocken gelegt werden“, stellte der österreichische Maler, Grafiker und Aktionskünstler Gottfried Helnwein zur Intention seines Werkes fest.
01.01.2003
Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich
Portraitkunst von Gottfried Helnwein
Marco Zimmerli
Diplomarbeit
Seine Kunst arbeitet meistens mit dem Element des Schocks. Er zeigte offen den Zynismus einer Gesellschaft, die nicht mehr die Dinge so sieht, wie sie sind, sondern dessen Sichtweise durch bereits bekannte 'Bilder über Dinge' geprägt ist.
"Die Funktion des Künstlers besteht darin, die Erfahrung eines überraschten Erkennens wachzurufen: dem Betrachter zeigen, was er weiß, von dem er aber nicht weiß, dass er es weiß.- Helnwein ist ein Meister dieses überraschten Erkennens." (William Burroughs)
02.01.1989
Hubertus Froning
GOTTFRIED HELNWEIN oder die Welt hinter den Dingen, Eine Betrachtung
exhibition catalogue
Folkwang Museum Essen
Wenn wir von Helnwein sagen, er habe von aussen nach innen gemalt, dann heisst das,daß seine minutiöse und bohrend-insistierende Arbeitsweise, die die geschaute Wirklichkeit brutal interpretiert, eine hinter den Dingen im Verborgenen liegende Welt aufzudecken versucht.
01.01.1996
Verlag C.H. Beck
Lebenskunst und Lebenslust
Dieter Thomae
Ein Lesebuch vom guten Leben
Wenn ich mir ansehe, wieviel Phantasie, Mühe und Fleiss diese Ebenbilder Gottes aufbringen, um Schmerzen zu verursachen, zu zerstören, zu verbrennen, zu zerbrechen, auszurotten, flachzuwalzen, schlechte Architektur und schwachsinnige Musik zu erzeugen, dann habe ich das Gefühl, bei dieser Schöpfung ist etwas schiefgelaufen, da ist etwas in die Hose gegangen.
Wenn ich von den Ebenbildern auf das Original schliessen soll - na Gute Nacht! Gott sei Dank gibt's Leute, die der Ansicht sind, dieser Mensch sei etwas, das überwunden werden sollte - wie Nietzsche, Buddha oder Walt Disney.
Ich muss gestehen - Ich hätte lieber einen Gott, der wie Donald Duck aussieht , als einen, der wie Adolf Hitler aussieht.
Gottfried Helnwein
01.11.1990
Fischer Verlag
Regie im Theater
Hildegard Kraus
Johann Kresnik
Wenn eine Steigerung möglich ist, gelingt sie Kresnik, im Frühjahr 1988, mit seinem nächsten Stück: Macbeth. Natürlich erzählt Kresniks Choreographisches Theater die blutgetränkte Fabel Shakespeares nicht einfach nach. Es hat sich einiger Motive bemächtigt die es wieder und wieder repetiert, in großaufgerissenen, heftig blutenden Bildern und verstörten, irrsinnigen Aktionen, denen der Kresnik geistesverwandte Wiener Maler Gottfried Helnwein als Bühnen- und Kostümbildner lediglich drei Farben gegeben hat: das Schwarz des Todes, das Weiß der Schlachthofwände und Leichentücher und das Rot des Blutes. Das Drama von Königsmord und Wahnsinn erscheint bei Kresnik wie durch den Fleischwolf gedreht: ein Hackstück, roh und triefend von Blut. Bis kurz vor Schluß der Aufführung gibt es keinerlei Entwicklung; nur Ansichten und Variationen von Tod, Mord und Irresein, umgesetzt in bohrende Bilder und verstörende Aktionen. Die Welt als Schlachthaus, abendfüllend und ohne Perspektivenwechsel, ohne Hoffnungsschimmer. Die Figuren heißen zwar "Banquo", "Duncan", "Macbeth" und "Macduff" samt zugehörigen Ladies; auch die drei Hexen, die mit ihren Einflüsterungen die originale Tragödie erst in Gang setzen, sind vorhanden als Mischung aus BDM-Mädchen, Militärpolizistinnen und Go-go-Girls: hübsche Harpyien des Grauens, die das monogam in sich kreisende, mit Blut geschmierte Geschehen antreiben und kontrollieren.
01.05.1992
Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kunstmuseum Thun
Gottfried Helnwein
Gisela Fiedler-Bender
one man show
Es ist der Mensch, ausschließlich der Mensch, das menschliche Antlitz, der vom Leben gezeichnete Mensch. Es geht Helnwein nicht um die schöne Oberfläche des Gesehenen, nicht um ästhetischen Genuß an der Natur und um eine Bestätigung herkömmlicher ästhetischer Normen.
Sein Blick geht tiefer, genauer, unter die Oberfläche, hinter die Fassade. Und was er sieht, ist das, was wir nicht sehen wollen, was wir verdrängen und ausklammern möchten.
"Vergessen, verdrängen bedeutet aber resignieren; nur Bewußtes kann verändert werden, Unbewußtes natürlich nicht. Und so werden durchaus revidierbare Dinge erst durch Verdrängung unveränderbar", schreibt der österreichische Tiefenpsychologe und Psychotherapeut Erwin Ringel
- er sieht in seinem Heimatland, das das Ursprungsland der Psychoanalyse, das Geburtsland Siegmund Freuds ist, "eine Brutstätte der Neurosen."
Konnte die Kunst der Wiener Aktionisten, konnten die Aktionen von Nitsch, Mühl und Schwarzkogler nur in Wien entstehen, sind sie zu erklären als Reaktion auf eine repressive Erziehung, auf eine konservative Grundhaltung?
01.01.1997
Hamletmaschine
47. Berliner Festwochen, Hamletmaschine von Heiner Müller in der Berliner Arena
Catalogue
Muffathalle, München
47. Berliner Festwochen, Berliner Arena
Ausstattung: Gottfried Helnwein
Regie: Gert Hof
01.01.1988
Picus Verlag, Wien
Gegenwartsbilder
Herbert Muck, Ottokar Uhl
Kunstwerke und religiöse Vorstellungen des 20. Jahrhunderts in Österreich
Das Bild des Menschen in der Leidensnot, des unschuldig Verfolgten und Gequälten, das aus der Kunstgeschichte in zahllosen Märtyererszenen bekannt ist, entsteht immer wieder neu. In den Zahnwehbildern von Oswald Oberhuber und in den Bildern von Gottfried Helnwein ist Betroffenheit über Schmerz und Ausweglosigkeit in der Situation des Kindes dargestellt. Das Kind ist die Gestalt des Unterlegenen, Abhängigen, Ausgelieferten und Ausgenützten. Unter dem Druck einer auf Anpassung drängenden Erwachsenenwelt werden ihm tiefe Verletzungen eingeprägt, entstellende Traumata.
Die Bandagen bei Helnwein oder schon zuvor bei den Wiener Aktionisten (Schwarzkoglers Bandagenaktionen) verweisen sowohl auf die Entstellung des Körpers wie auf das Verborgene dieser Verletzungen. Sie üben auf dem Hintergrund einer Tabuisierung von Verwundung, Behindertenexistenz und Tod eine starke Wirkung aus und setzen heftige Reaktionen frei.
01.01.1996
CHINESISCHES KUNSTMUSEUM, PEKING
Peter und Irene Ludwig schenken China Kunstwerke
Astrid Legge, Astrid Maria, Petra s.Versteegh, Pia vom Dorp
Ludwig Museum für Internationale Kunst, Chinesisches Kunstmuseum, Peking, 1996
Gründung des Ludwig Museums für Internationale Kunst im Chinesischen Kunstmuseum in Peking, Katalog zur Ausstellung der Kunstwerke die das Sammler-Paar Peter und Irene Ludwig an China geschenkt haben.
Das Bild "Dresden" (Mischtechnik auf Leinwand) von Gottfried Helnwein ist Teil dieser Sammlung.
01.09.1997
Applaus
Ich bin nicht Hamlet
Axel Sanjosé
"Hamletmaschine" in der Muffathalle. Bühnenbild: Helnwein
(Cover-story)
Helnwein gestaltet das Bühnenbild zu Heiner Müllers "Hamletmaschine" in der Regie von Gert Hof
Die Schonungslosigkeit, mit der Helnwein den Täter-Opfer-Mechanismus thematisiert - sei es im Einfangen einer Athmosphäre der erbarmungslosen Kälte, - ruft Befremden und Abwehrreaktionen hervor, die sich des öfteren als Skandale niedergeschlagen haben...
Dagegen leuchtet die Affinität zwischen Helnwein und Heiner Müllers Hamletmaschine unmittelbar ein, nicht nur weil am Ende, wie es die Regieanweisung verlangt, Ophelia in Mullbinden eingeschnürt wird. Die gewalttätige Sprache des Ende 1995 verstorbenen Dramatikers und Regisseurs bohrt sich, statt wie bei Helnwein mit chirurgischrn Instrumenten, mit Worten ins Fleisch. Auch hier geht es um Opfer, allerdings um Opfer, die sich wehren und in der Wahl ihrer Mittel die Brutalität ihrer Umwelt widerspiegeln.
30.09.1997
Deutschlandradio
47. Berliner Festwochen, HAMLETMASCHINE von Heiner Müller in der Berliner Arena
Heinz Benfitzsch
Ich hätte gern diese Vorstellung verlassen,...
Vor Jahren war Robert Wilson mit seiner Interpretation der HAMLETMASCHINE zu den Berliner Festwochen eingeladen.
Wilson bezwang den Text durch überstilisierten Ästhetizismus. Die Kritik feierte seinen Formalismus und sein Lichtdesign. Das Westberliner Schaubühnenpublikum (die Mauer stand damals noch) war begeistert von Wilsons gestylten Standbildern und seinem designten Licht. Den Urschrei in der HAMLETMASCHINE verspürte keiner. Diese HAMLETMASCHINE beunruhigte keinen. Fastfood für Intellektuelle, ohne Kanten und Tiefe, ohne die Wut des Autors.
Ein schöngeistiger Event, ohne den zerrissenen Background der Entstehungsgeschichte, ohne den "Ruf nach mehr Freiheit" aus dem "der Schrei nach dem Sturz der Regierung wird". Das beruhigende dieser HAMLETMASCHINE war, daß sie nichts wollte, außer anders sein.
Nun wieder HAMLETMASCHINE; die Mauer gibt es nicht mehr, die Berliner Festwochen immer noch, Robert Wilson ist Weltstar geworden und noch harmloser als er schon immer war.
Schon im Vorfeld löste diese Münchner Produktion Unruhe und Bewegung aus.
Grund war ein Bild, "Epiphanie", des Wiener "Blut und Schockmalers" Gottfried Helnwein, Teil seines Bühnenbildes für die Münchner HAMLETMASCHINE.
Die Witwe eines auf dem Helnwein-Gemälde abgebildeten SS-Offiziers versuchte in München gegen das Bild eine einstweilige Verfügung zu erwirken, der nicht stattgegeben wurde. Aufgrund von verschiedenen Bürgerinitiativen in Berlin verboten die "Berliner Festwochen" eines der beiden Plakate von Gottfried Helnwein um ihr "Highlight" HAMLETMASCHINE "nicht zu gefährden".
Auf dem Plakat ist das Opfer einer Gewalttat zu sehen, ein 10-jähriges Mädchen.
Noch bevor die Inszenierung in Berlin zu sehen war beschäftigten sich Medien, Bürger, Politiker und Rechtsanwälte damit.
01.01.1990
polyaisthesis 5
Erstickter Schrei
Susanne Vill
beiträge zur integration der künste und der wissenschaften und zu ihrer umsetzung in die pädagogische praxis
Über Kunst und ihre Botschaft im postmodernen Dschungel transkultureller Rätsel.
An dieser Stelle sollen nun drei Beispiele diskutiert werden, Bilder von Klaus Staeck, Gottfried Helnwein und Paolo Baratella, die das ästhetische Programm der Protestmalerei bis zum gesellschaftlichen Eklat getrieben haben.
Helnweins Bilder erwecken eine tiefere Angst vor sadomasochistischer Gewalt, vor Exzessen des Umgangs mit Menschen, die gequält werden, selbst quälen und dem Schrecken der Technik, der Medien oder dem Krankenhausterror ausgeliefert sind. Der Ekel, den seine superrealistischen Bilder vor allem Kranken, Abnormen, Deformierten in seiner hilflosen Auslieferung an gewaltsame Überformung auslösen, ist extremes Schockmittel im Sinne von Antonin Artauds Wirkungsästhetik.
"Malen ist sich wehren", sagt Helnwein über seine Motivation. Sein Thema der Bedrohung und Gefährdung scheint den Nerv der Zeit zu treffen, der Aufschrei, den das stumme Medium verschweigt, bricht in jedem Betrachter selbst aus und schlägt die empathische Brücke über die Grenzen von Klassen, Rassen und Kulturen hinweg.
13.02.1983
Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Ein Aufschrei gegen die Schmerzen der Welt
Erika Brenken
Die Kunst von Gottfried Helnwein - Erfolg und Kritik
Die Provokationen des 34jährigen Künstlers sind subversiv und klammheimlich.
Sie packen den entsetzten Betrachter eben da an, wo die antrainierten Verdrängungsmechanismen sonst so gut funktionieren.
Das wird am deutlichsten bei Helnweins Kinderbildern. Zarte pastellfarbene Zeichnungen, die zum Horrortrip für den Betrachter werden. Die sanften Kindergesichter sind durch Verletzungen furchtbar entstellt. Hasenscharten, Narben, Wundmale, Klammern, Kanülen, Bandagen.
Der Anblick ist kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen tausend Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?
Helnwein denunziert nicht die Kinder - das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt - sondern unsere Neigung, vor dem Leiden die Augen zu verschliessen.
Der Künstler entlarvt das Bedürfnis nach heiler Welt (oft nur eine Form von Abgestumpftheit) als unmoralisch, als Angst vor der Realität .
Ein Moralist mit sadistischen Mitteln.
01.01.2001
Albertina, Wien
Österreichische Künstler - jetzt
Angela Stief
Gottfried Helnwein
Nicht nur um die Spannbreite des künstlerischen Darstellungsmodus, der sowohl reduktiv wie expressive ist, zu demonstrieren, sondern auch, um die Gattung der Portraits zu ergänzen, sei kurz auf die "Selbstportraits" verwiesen. Die Akribie der Fotografien und "silver" prints, die Präzision der Zeichnungen und die Radikalität der Farbmalerei, die die eigene Gestalt zum Schimmer ihrer Selbst werden läßt, indem Form und Kontur fast bis zur Gänze aufgelößt ist, verdeutlichen Schmerz, Angst, Leid und Ohnmacht. Auch das so oft anzutreffende Portrait von Gottfried Helnwein, welches ihn durch das an sein Gesicht angepaßte, ärztliche Instrumentarium, zur Grauen erregenden Maske mutieren läßt, ist Schrecken der eigenen Erscheinung. Erblindung, Schrei und Fessel stoßen ab, indem die tiefsten psychischen Abgründe anschaulich inszeniert und allegorisiert werden.
11.07.1992
"Wer Ist Carl Barks?"
Gottfried Helnwein spricht mit Carl Barks
Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein trifft Carl Barks in Grants Pass in Oregon
Helnwein:
Wie würde Ihnen die Idee gefallen, Entenhausen eines Tages nachzubauen?
Barks:
Wer kann schon sagen, wie Entenhausen wirklich aussieht?
Helnwein:
Wenn man Ihre Arbeiten gründlich studiert, so stößt man auf eine Menge Hinweise. Den Geldspeicher zum Beispiel.
Barks:
Der Geldspeicher ist wahrscheinlich das herausragende Gebäude in Entenhausen. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mit einem Panorama-Bild beginnt - Donald und seine Neffen blicken von einem Wolkenkratzer hinunter auf eine große geschäftige Stadt mit hohen, mächtigen Gebäuden, einem breiten Fluss und Dampfschiffen.
Helnwein:
Ja - ich erinnere mich.
Barks:
Aber das ist nicht das Entenhausen, an das sich die Leute erinnern sollten. Es müsste ein kleineres Entenhausen sein, in dem Daisys und Donalds Haus stehen, und ein paar Ecken weiter das Haus, in dem Gustav Gans (Gladstone Gander) lebt, und natürlich müsste es aber auch Daniel Düsentriebs Werkstatt geben.
01.01.1993
"Wer ist Carl Barks?"
VORWORT by ROY DISNEY
Wir sind Gottfried Helnwein zu grossem Dank verpflichtet, dass er die erste bedeutende Ausstellung von Carl Barks' Kunstwerken und den damit verbundenen Katalog ermöglicht hat. Gottfried Helnwein, selbst ein anerkannter Künstler, hat der Kunstwelt mit diesem Projekt einen grossen Dienst erwiesen, indem er über 300 Arbeiten des Künstlers für dieses wirklich bedeutsame Ereignis zusammengestellt hat.
01.01.1993
NEFF Verlag
"Und die Ente ist Mensch geworden"
Gottfried Helnwein
" Wer ist Carl Barks"
Erinnerungen an Entenhausen
Nachts war mein Kinderzimmer in ein tiefes rotes Licht getaucht- meine Spielsachen, die Möbel, mein Bett, meine Hände: alles hatte die gleiche Farbe und schien aus demselben weichen Material zu sein. Als wären die Naturgesetze aufgehoben, schien alle Materie von innen heraus zu glühen. Die Ursache dieser roten Wundernächte war der riesige leuchtende Stern der Roten Armee auf dem Dach der Fabrik gegenüber, der nachts seine Glut in meine Kinderstube goss.
04.01.1992
Mittelrhein-Museum, Koblenz
Das Kind im Focus
Johannes Rother
About Gottfried Helnwein, Teil I
Gottfried Helnwein, 1948 in Wien geboren, gilt als einer der umstrittensten, aber auch bekanntesten bildenden Künstler der Nachkriegszeit.
Das Werk des Malers und Fotografen entzieht sich erfolgreich der erledigenden Einordnung wie auch dem systematisierenden Zugriff offizieller Kunstkritik. Zu vielfältig ist die Bandbreite seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, zu offensichtlich sind Brüche und Widersprüche, als daß man sein künstlerisches Schaffen auf wenige griffige Schlagworte festlegen könnte: Verweigerung stilistischer Kontinuität und immerwährender Neubeginn sind bei Helnwein Konzept. Im Zentrum seines eigentlichen Interesses steht jedoch - ganz im Sinne der Kunsttheorie Kandinskys - nicht WIE, sondern WAS Kunst transportiert und welche Reaktion sie beim Publikum damit auszulösen in der Lage ist. So manifestiert sich Helnweins künstlerische Qualität vor allem in der vom Sujet auf den Betrachter ausgehenden emotionalen Intensität - unabhängig vom gewählten Stil oder Medium.
03.01.1992
Mittelrhein-Museum, Koblenz
Intoleranz und Gewalt
Johannes Rother
About Gottfried Helnwein, Teil II
Seit geraumer Zeit wird in der Bundesrepublik eine erschreckende gesellschaftliche Entwicklung verzeichnet: Misstrauen, Abneigung und Intoleranz allen Menschen gegenüber, die anders aussehen oder anders denken, scheint wieder allgegenwärtig. Hass auf Minderheiten manifestiert sich in brutalen Übergriffen und Attentaten. Symptomatisch für diese Geisteshaltung und ihre Konsequenzen steht für viele der Brandanschlag auf das Wohnhaus einer türkischen Familie in Solingen. In der Nacht auf den 29. Mai 1993 kamen dabei 5 Menschen ums Leben: Vier verbrannten in den Flammen, eine Frau starb bei dem Versuch, ihre Tochter durch einen Sprung aus dem Fenster vor dem Tod zu retten. Das Kind überlebte schwerverletzt.
01.01.1992
Verlag C. H. Beck
GOTTFRIED HELNWEIN IM GESPRÄCH MIT ANDREAS MÄCKLER
Andreas Mäckler
Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Mäckler. Die Interviews mit Gottfried Helnwein fanden statt am 13./14. Juli und wurden am 21./22. September 1990 fortgesetzt
01.01.2003
Gottfried Helnwein – Die Techniken
Klaus Honnef
Curator for photography and new media, Rheinisches Landesmuseum, Bonn
Gottfried Helnwein, keine Frage, ist ein Künstler auf der Höhe der Zeit. Wie alle avancierten Künstler hat er sich nicht nur den Herausforderungen der neuen Techniken gestellt, vielmehr meistert er sie, indem er sie zur immer vollkommeneren Verwirklichung seiner künstlerischen Vorstellungen planvoll nutzt. Niemals verwendet er Technik um ihrer selbst willen oder um mit vordergründigen Effekten zu verblüffen. Er ordnet im Gegenteil die technischen Mittel den Zwecken seiner künstlerischen Ziele strikt unter. Für seine zeitgebundenen Aktionen zu Beginn seiner künstlerischen Praxis waren Fotografie und Film die einzig angemessenen Mittel, wenigstens einen Rest ihrer provokativen Wirkung mit dem Siegel der Authentizität zu erhalten. In diesem Fall war der eigene Körper das hauptsächliche Mittel des künstlerischen Aktes.
12.10.1992
Museum Ludwig, Köln, TASCHEN
Photographie des 20. Jahrhunderts
Reinhold Mißelbeck
Kurator für Fotografie und Neue Medien, Museum Ludwig, Köln
Helnwein gilt als einer der wichtigsten Künstler mit politischem Engagement in Deutschland, der im Sinne konzeptioneller Kunst die Reaktion der Öffentlichkeit als Teil einer künstlerischen Arbeit begreift und für ihre Verbreitung neue Wege erschließt.
15.01.1987
Galerie Würthle, Wien
"Malen heisst sich wehren. Immer eine Antwort auf etwas." Helnwein
Hans Dichand
Als vor einigen Jahren Gottfried Helnweins Werke im Wiener Pressehaus vorgestellt wurden, protestierte der Betriebsrat. Von keiner Gesellschaft, von keiner Klasse, wird neue Kunst akzeptiert, immer nur von einzelnen. Stets gibt es anfänglich Widerstand, weil es in jeder etablierten Gesellschaft an kultureller Beweglichkeit fehlt, das Neue zu erkennen und akzeptieren. Bei Helnwein, der durch seine Bilder konventionelle Verletzlichkeit in einem ganz besonderen Maße provoziert, war die Ablehnung auch entsprechend extrem. "Blut- und Narbenmaler" nannte man ihn.
Er hat sich dennoch durchgesetzt. Heute ist Gottfried Helnwein weltbekannt und als Künstler entsprechend eingestuft. Die jetzige Ausstellung zeigt, dass er ein Suchender geblieben ist, einer der nach Sturm und Drang Extreme hinter sich gelassen hat, ohne künstlerische Kraft eingebüßt zu haben. Nach wie vor gilt seine Aussage: "Malen ist sich wehren. Immer eine Antwort auf etwas."
01.01.2001
satt.org
Donald Duck und die Dichter
Marc Degens
Formen und Funktionen des Comiczitats in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
"Dino Buzatti hat einmal geschrieben, die menschlichen Enten des Carl Barks böten für die Weltkunst ein so bedeutendes Figuren Repertoire wie die von Moliere, Goldoni, Balzac oder Dickens.
Und für Gottfried Helnwein, der eine Ausstellung über Donald und seine Welt zusammengestellt hat, ist Barks der einzige bedeutende Künstler unseres Jahrhunderts neben Picasso.
Aber der ästhetische und soziale Reichtum, den Donald Duck Leserinnen und Leser in aller Welt schätzen und lieben [...] all das macht Donald zum Zentrum einer universalen, dynamischen Kunst-Welt. Aber in Deutschland ist er mehr; in der Bundesrepublik und in Österreich gibt es nur wenige Biographien, in denen er nicht eine fundamentale Bedeutung hat, eine Überlebensbedeutung, eine Fluchtbedeutung, eine Wahrheitsbedeutung.
01.01.2003
www.medienaesthetik.de
Standbilder
Christoph Wulf
Herausgeber
Zur medialen Erzeugung der Grimasse
Mag in der Insistenz und Extensität der Produktion Rainers Werk herausragen, die Abwendung von der Anthropologie, die als Negation doch auch mit ihr verknüpft ist, durchzieht die Kunst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zum Bestand der kanonisierten Kunst gehören mittlerweile die fotografisch dokumentierten Body-Perfomances der 60er und 70er Jahre (z.B. Bruce Naumann, Jürgen Klauke, Klaus Rinke), die Selbstporträts Gottfried Helnweins der 70er und 80er Jahre, die Video-Dummies von Tony Oursler.
19.05.1981
Ein Brief von H.C. Artmann
H.C.Artmann
Salzburg
Gott zum grusse und anbei ein text, von dem ich hoffe, dass er euch gefallen kann. Meiner meinung wirkt ein surreal-abstrahierter ausruf (oder aufschrei) wie beiliegendes doch am besten.
29.03.1987
Leopold-Hösch-Museum, Düren
Gottfried Helnwein
Dorothea Eimert
One man-show
Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.
Immer wieder konterveit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch.
01.01.1981
Botho Strauss
Paare und Passanten
Helnwein, Monographie
Orac Pietsch Verlag, Wien
Verwunderlich wäre es, doch nicht mehr undenkbar, wenn eines fernen Tages, aus der Anderen Zeit heraus, das deutsche Dritte Reich nicht mehr vornehmlich nach seinem blutigen Formgefühl beurteilt würde, mit dem es die Schrecken der Diffusioo im ersten Massenzeitalter beseitigte, sondern vielmehr erinnert würde als das erste, alles in die Verirrung treibende Beben, als der Erste Ruck vor dem langsam gewaltigen Aufbruch in eine "geschichtslose" statische Epoche.
01.10.1982
1.Wiener Kindergalerie
Wunderkinder?
Gottfried Helnwein
Künstler - und ihre Kinderzeichnungen
Das einzige, das von meiner Schulbildung geblieben ist, - das Schreiben und das Rechnen, habe ich in der Volksschule gelernt, bei den katholischen Schulbrüdern - ganz ohne moderne Pädagogik.
Dort habe ich sogar im Zeichnen etwas gelernt. Im Religionsunterricht haben wir Herzen gezeichnet - mit Flügeln und schwarzen Flecken, die in den Beichtstuhl hineinfahren und auf der anderen Seite wieder weiß herauskommen.
Das ist doch phantastisch!
Oder - "das Auge Gottes"! Damals hat jeder in unserer Klasse gezeichnet wie der Günther Brus. Danach auf dem Gymnasium war alles Scheiße. Im Englischunterricht mußten wir 4 Seiten aus "Ann and Pat" auswendig lernen und in Bildnerischer Erziehung eine Wunderblume zeichnen.
Ich hasse aber Wunderblumen, und so habe ich Donald Duck als Kapitän gezeichnet, wie er gerade Tick, Trick und Track anschreit.
Worauf mein "Zeichenprofessor" meine Eltern vorgeladen hat, um ihnen mitzuteilen, wie gefährlich es sei, Witzhefte nachzuzeichnen.
Damit hatte er jedoch nicht recht, denn die einzigen Lehrer, von denen ich wirklich etwas gelernt habe - nicht nur künstlerisch, sondern auch philosophisch, also für's ganze Leben sozusagen, - waren Walt Disney, Carl Barks und Donald Duck.
Sie waren immer für mich da, und wenn ich das Gefühl hatte, niemand versteht mich, sie haben mich immer verstanden. Und wenn ich traurig war und einsam, sie haben mich wieder aufgerichtet und mir wieder Mut gemacht,
und gemeinsam mit Tick, Trick und Track habe ich dann gesungen: "Wir pfeifen auf Pomade, auf Seife, Kamm und Schwamm, wir bleiben lieber dreckig und waelzen uns im Schlamm!"
16.06.1999
News Magazin
Ein Künstler von Weltformat
Manfred Deix
artist, poet
Die Hymne des Freundes
Ich schätze Helnweins unendliche zeichnerische Qualität, seinen enormen künstlerischen Witz. Vom malerischen Können muß man gar nicht reden, da ist er Weltklasse.
Außerdem ist Helnwein ein überaus intelligenter und unruhiger Geist. Seine Übermalungsexperimente sind hochklassig: Luxusbilder, Weltkunst.
01.01.2001
Prestel-Kuenstlerlexikon
Helnwein, Gottfried Bildende Künstler H-L
Helnweins Thema ist der malträtierte, unterdrückte Mensch, am beeindruckendsten in einer Serie von mißhandelten und verstümmelten Kinderköpfen (1969). Dieses Thema inszeniert er auch in Fotoserien und Installationen sowie Performances ("Blut für Helnwein", 1972). Nach 1985 kombiniert er großformatige Fotos mit abstrakt-gestischer Malerei ("Der Beweis", 1986). In Helnweins Kunstauffassung offenbart sich ein obsessiver Realismus, der die verdrängte, tabuisierte »Nachtseite« der menschlichen Zivilisation in packenden Metaphern veranschaulicht.
01.01.1995
Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste
Peter Ludwig im Gespräch mit Monika Bugs, I
Monika Bugs
Teil I
...Ich kam als Neunzehnjähriger aus entsetzlicher amerikanischer Kriegsgefangenschaft in meine Heimatstadt Koblenz, die wie der Tisch platt war. Es waren, glaube ich, noch 5000 Menschen in der Stadt. Wenn man sich auf der Straße begegnete, umarmte man sich, weil man noch gelebt hat. Meine Mutter war umgekommen im Bombenkrieg in Koblenz in unserem Haus. Nichts mehr war da, überhaupt nichts mehr.
An Berufszukunft war überhaupt nicht zu denken, es gab gar keine Berufe. Jeder lebte vom Schwarzhandel, ich weiß nicht. Jedenfalls eine produktive Arbeit war nicht da, kein Material und nichts mehr. Da habe ich mich gefragt: was ist denn überhaupt das Leben? Was ist der Sinn? Was ist die Welt? Mein sehr lebenserfahrener Vater, der mich immer gerne in der Wirtschaft gesehen hätte ‐ wir haben eine Generationen alte Firma in Koblenz, die mit Tonwerken zu tun hat ‐, wollte, daß ich Jura studiere. Ich sagte: ich kann das nicht. Mich bringt das um, ich kann nicht in dieser Zeit Recht studieren, wo ich all das Unrecht erlebt habe und täglich neu erlebe. Da habe ich begonnen zu studieren, Philosophie, Kunstgeschichte, Vor- und Frühgeschichte, Archäologie und habe dann als erster promoviert an der neuen Universität Mainz.
Aber, was Sie sagen, die Suche nach dem Wesentlichen, das war das Schöne bei meinen ganzen Mitstudenten, wir konnten nicht an Berufserfolg denken, an all das, was später so wichtig wurde.
01.01.1995
Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste
Peter Ludwig im Gespräch mit Monika Bugs, II
Monika Bugs
Teil II
Die Ausstellung ‘Versuche zu trauern’ will an das Ende des 2. Weltkrieges erinnern. Trauer oder ‘Die Unfähigkeit zu trauern’, um mit Mitscherlich zu sprechen, sind wesentliche Themen des Menschen, der Kunst. In Ihrer Eröffnungsrede sprachen Sie in diesem Kontext von Gewalt, Leid, Tod als Teil des menschlichen Lebens und daß diese Ausstellung Sie sehr ergriffen habe, mehr als andere Ausstellungen zum Thema: 50 Jahre Ende des Krieges. Was bewegt Sie an dieser Ausstellung?
01.01.1995
Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste
Peter Ludwig im Gespräch mit Monika Bugs, III
Monika Bugs
Teil III
01.01.2004
Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818
8. Schumannfest Düsseldorf 2004
Robert Schumann: „Das Paradies und die Peri“
Szenische Aufführung eines weltlichen Oratoriums
Manfred Hill
Dokumentation über ein einmaliges Projekt in der Tonhalle Düsseldorf
Alle Beteiligten gingen mit Akribie an die Arbeit. Sie verbanden, unter der Leitung von GMD John Fiore, die wunderbare Musik Robert Schumanns mit einer von Gregor Seyffert und Gottfried Helnwein großartigen szenischen Umsetzung des Textes von Thomas Moore. In fünf Aufführungen fanden sich mehr als 6.000 begeisterte Zuhörer und Zuschauer in der Tonhalle ein. Den Beifall des Publikums konnte man an jedem Abend „frenetisch“ nennen.
01.11.1971
www.lexikon-definition.de
Helnwein: Kardinal-König-Preis 1971
Der Kardinal-König-Preis wird seit 1991 von der vom ehemaligen Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König gegründeten Stiftung "Communio et Progressio - Neue Hoffnung für den Donauraum" verliehen. Der Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die einen Beitrag zur Bildung eines Handlungsbündnisses von Wissenschaft, Religion, Wirtschaft und Medien leisteten, um einen Beitrag zur Bewältigung der weltweiten Probleme auf dem Gebiet der Meinungs- und Gewissensfreiheit, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Bewahrung der Schöpfung und der allgemeinen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu leisten.
Vor 1991 wurde der Kardinal-König-Preis, vom österreichischen Bundeskanzler an Künstler verliehen, die sich mit meditativer Kunst beschäftigten.
01.01.2003
Wilhelm-Busch-Museum Hannover
Thema: "Bilder vom Menschen" am Beispiel der Arbeiten von Gottfried Helnwein
schulnetz.nibis.de
Schulform: Gym, IGS/KGS,
Zielsetzung: Der im Unterricht der Qualifikationsphase vertieft zu behandelnde thematische Schwerpunkt 1 "Bilder vom Menschen" gibt u.a. die Auseinandersetzung mit "Bildern der Entfremdung" und die Inszenierung der menschlichen Figur vor. Bezüge zu dem thematischen Schwerpunkt 2 sind insbesondere durch die für Helnwein charakteristische Einbindung der menschlichen Figur in Raumzusammenhänge gegeben. Eine Annäherung an das Werk Helnweins soll in kritischer Auseinandersetzung mit dem sich in den Arbeiten manifestierenden Menschenbild erfolgen. Möglichkeiten einer Übertragung der Strategien Helnweins auf den Unterricht sollen hinterfragt und Unterrichtsgänge in der Ausstellung vorbereitet werden.
17.06.1980
Tiroler Tageszeitung
Von den alltäglichen Lebenskatastrophen unserer Zeit
v.h.
Manische Beschäftigung mit der "Verlarvtheit" des Menschen
Der 1948 geborene Wiener wird in den USA wie in Japan als virtuoser Graphiker zur Kenntnis genommen, der mit Bleistift und Feder, Buntstift und Aquarellpinsel eine Hinterwelt gespenstischer Überwirklichkeit, der Banalität des Entsetzlichen, des Wahnsinnigen, einen neuen Surrealismus ausspielt.
Dieser Surrealismus hat nur mit einsamen und ehrlichen Manifesten des alten Surrealismus zu tun.
Er ist mit Goya, Kafka, Edgar Allan Poe, mit den härtesten Äußerungen expressionistischer Graphik und Literatur enger verwandt.
01.03.2005
Ludwig Museum Schloss Oberhausen und Wilhelm Busch Museum Hannover
Gottfried Helnwein - Beautiful Children
Peter Pachnike und Gisela Vetter-Liebenow
Auszüge aus dem Vorwort zu "Gottfried Helnwein - Beautiful Children"
„Ein göttlich Wesen ist das Kind, solang es nicht in die Chamäleonsfarbe der Menschen getaucht ist. Es ist ganz, was es ist, und darum ist es so schön. Der Zwang des Gesetzes und des Schicksals betastet es nicht; im Kind ist Freiheit allein. In ihm ist Frieden; es ist noch mit sich selber nicht zerfallen“
Friedrich Hölderlin
Immer wieder waren es Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Menschen, die Helnwein zu künstlerischen Aktionen bewegt haben. So führte er in den 70er Jahren Straßenaktionen durch, in denen er Kinder bandagierte und mit chirurgischen Klammern versehen auf die Straße legte. Für die Kinder war es eine Art Spiel; für Helnwein der Versuch, „immer wieder in den Alltag – der so genormt abläuft – Störfaktoren einzubringen, um zu sehen, wie die Leute reagieren.“
12.03.2005
Wilhelm Busch Museum Hannover
„Mein Hauptwerk kann jetzt beginnen.“
Andreas Maeckler
interview
Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Maeckler
Helnwein:
Bei meiner ersten Ausstellung 1971 im Wiener Künstlerhaus waren eines Tages alle meine Bilder mit gelben Stickers überklebt, auf denen "Entartete Kunst" stand. Von da an wusste ich, dass ich immer Gegenwind haben würde. Es sieht so aus, als hätte ich den Finger immer wieder auf den richtigen Punkt gelegt, sonst wären so viele Emotionen, Aggressionen und die Aufregung als Reaktion auf meine Arbeiten gar nicht möglich. Das gemalte Bild selbst kann nicht der Grund gewesen sein, weil es ja eine Fiktion ist - zweidimensional, nur ein paar Milligramm Farbe auf Papier oder Leinwand - das ist alles, das tut nicht weh.
Es ist nicht mein Bild, vor dem sich die Leute fürchten, sondern es sind ihre eigene Bilder in ihren Köpfen. Meine Arbeiten sprechen offensichtlich etwas an, das im Unterbewusstsein des Betrachters schon vorhanden ist. Wenn es mir gelingt, den Finger manchmal an die richtige Stelle zu legen, habe ich das Gefühl, meine Arbeit hat einen Sinn.
Und der Tag, an dem mich die gesamte Spießergesellschaft umarmen würde, wäre der Tag, an dem ich meine künstlerische Arbeit beenden würde. Dann wüsste ich, ich habe etwas falsch gemacht.
06.11.2003
Seminar zum Thema "Schmerz und Kunst"
"Ins Jenseits der Schmerzgrenze"
C. Anderhub
Gottfried Helnwein - Selbstportrait, 1983.
Stanley Kubrick - 2001, A Space Odyssey, USA 1968; Intro
Barnett Newman - Here III, 1965/66, Broken Obelisk, 1967
Thomas Gainsborough - Plauderei im Park, ca. 1746,
Jean-Honoré Fragonard - Die Schaukel, 1767,
Caspar David Friedrich - Der Mönch am Meer, 1808-10, Öl/Lw, Das Eismeer, 1823-24
Karl Friedrich Schinckel - Felsentor, 1818,
J.M. William Turner - Eine Lawine in Graubünden, 1810
17.07.2005
Universität Wien, Institut für Theater und Film
Zur medialen Erzeugung der Grimasse
dogan evren
Zur medialen Erzeugung der Grimasse*
Mag in der Insistenz und Extensität der Produktion Rainers Werk herausragen, die Abwendung von der Anthropologie, die als Negation doch auch mit ihr verknüpft ist, durchzieht die Kunst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zum Bestand der kanonisierten Kunst gehören mittlerweile die fotografisch dokumentierten Body-Perfomances der 60er und 70er Jahre (z.B. Bruce Naumann, Jürgen Klauke, Klaus Rinke), die Selbstporträts Gottfried Helnweins der 70er und 80er Jahre, die Video-Dummies von Tony Oursler.
01.01.2004
Landesinstitut für Schule
Gewaltprävention in der Primarstufe
Werner Zahn, Judith Aring
Heft 8
Wir gehen mit Gefühlen um
Um Empathie, eine Grundqualifikation für soziales Handeln – nämlich die Fähigkeit eines Menschen, sich in die Erwartungen eines anderen Menschen einzufühlen, diese zu verstehen und auf sie einzugehen– einzuüben, habe ich das Bild „Mein Freund“ von Gottfried Helnwein den Kindern gezeigt. Sie sollten das Bild eines trauernden, verzweifelten Mannes interpretieren, ihm verschiedene Gefühle zuordnen und Ursachen benennen, die zu seinem Gesichtsausdruck geführt haben könnten. Damit die Konfliktparteien sich den Streitschlichtern gegenüber öffnen und anvertrauen, sollten die Streitschlichter in der Lage sein, sich in eine Situation bzw. in eine Person „hineinzufühlen“.
01.10.2005
Ludwig Museum Schloss Oberhausen
Ungewohntes Ausstellungserlebnis: Gottfried Helnwein in Oberhausen.
Gabriele Oberreuter
Anmerkungen zu seinen Darstellungen von Kindern.
Ästhetische Maßstäbe von Schönheit werden hier irrelevant, ich werde als Betrachter unmittelbar und heftig berührt: es geht um Gewalt, Verletzungen, Schmerzen, Blindheit, Tod oder todesähnliche Zustände, um Irritation, Verzweiflung, Opfer, Opferung, Mißbrauch, Deformation. Kategorien von Empathie und Lebensbezüglichkeit sind über den Kunstwerkcharakter hinweg deutlich angesprochen.
Wir begegnen großformatigen, häufig monumentalen Arbeiten, vor allem Kinder und Erwachsene darstellend, isoliert und in Gruppen, Portraits und Inszenierungen. Zum verbindenden Faktor wird der Ausdruck, der wohl keinen Besucher unbeteiligt läßt: es überwiegt neben todesnaher Stille eine rohe, stumme Gequältheit, ein Erstarren in extremer körperlicher Deformation, Apathie und Tod. Ignorante Täter werden vorgeführt - analog zu verbreiteten christlichen Andachtsbildern schlüpfen sie in 'ehrenwerte' Rollen.
01.11.2004
Wikipedia
Akademie der bildenden Künste Wien
Die Akademie der bildenden Künste in Wien wurde 1692 als Privatakademie des Hofkammermalers Peter Strudl gegründet. 1725 erfolgte von Jacob van Schuppen eine Neugründung als „K.k. Hofakademie der Maler, Bildhauer und Baukunst“. 1754-1757 war Paul Troger Rektor der Akademie. 1772 wurden alle zu dieser Zeit in Wien bestehende Kunstlehranstalten zu einer Akademie der „vereinigten bildenden Künste“ zusammengeschlossen. 1872 erhielt die Akademie Hochschulstatus, 1998 wurde sie – unter Beibehaltung des Namens „Akademie der bildenden Künste“ - Universität.
01.01.2005
Hamburger Institut für Sozialforschung
Sondersammlung "Protest, Widerstand und Utopie in der BRD"
Plakate
Mehr als 8000 politische Plakate aus den 50er bis 90er Jahren zählen zum Bestand. Sie werben für Veranstaltungen, Demonstrationen, politische Positionen mal ernst, mal witzig, mal ironisch-satirisch, mal polemisch. Viele bekannte Grafiker (Demokratische Grafik Hamburg, Dech, Drescher, Freitag, Grieshaber, Hachfeld, Helnwein, Holtfreter, Patzack, Rambow, Schaffernicht, Staeck, Volland, Wiescher u.v.a.m.) sind mit Arbeiten vertreten.
01.01.2006
Lentos Museum for Contemporary Art Linz
Fragen an Gottfried Helnwein
Fragen von Thomas Edlinger an Gottfried Helnwein
Anlässlich der Ausstellung "FACE IT" - von Gottfried Helnwein
Die Suche nach Sichtbarkeit – Was wollen Helnwein-Bilder?
Helnwein modelliert in den Kindergesichtsarbeiten ein Spannungsverhältnis von kontextueller Entleerung und expressiver Verdichtung. Er hierachisiert die Bildanteile zugunsten des Wirkungsversprechens: Nichts soll vom menschlichen Detail, vom gereinigten Ausdruck in all seiner interpretatorischen Offenheit ablenken. Im Gegensatz zu vielen anderen, vor allem früheren Arbeiten, die sich immer wieder explizit mit der österreichischen Geschichte auseinander setzten, opfert hier Helnwein die Narration zugunsten der glänzenden, in scharfe Kontraste getauchten Konturierung des eigentümlich opaken Gegenstands. Das Bild weist in seiner inhaltlichen Reduziertheit jede vordergründige Botschaft von sich. Das Gesicht darauf ist von einem unergründlichen, sinnabweisenden Schwarz umgeben, der Hals von einer schwarzen, mit silbrigen Metall-Aufsätzen versehenen Fantasie-Uniform begrenzt. Die stillgelegte Mimik suggeriert ein Zwischenreich zwischen Tod und Leben. Die phantomhafte, manchmal unheimlich wirkende Anmutung der imaginären Widergänger von Kindern stimuliert Helnwein immer wieder aus der Gegensätzlichkeit von fotorealistischer Darstellung und der das Bild „einfrierenden“ Abwesenheit von Kontextualität.
01.03.2006
Lentos Museum of Contemporary Art Linz
Die Wunden der Erinnerung
Nava Semel
Israel
Essay zur Ausstellung "FACE IT", Gottfried Helnwein
Das Mädchen krachte durch mein Browser-Fenster und der Text, an dem ich gerade arbeitete, begann auf meinem Monitor zu zittern. Dieses Bild hatte einen Cybersprung zu mir geschafft:
Von einer Londoner Galerie bis nach Israel.
Zwei Jahre lang war ich in die Arbeit an meinem Buch "Und die Ratte lacht" vertieft gewesen, dessen Kern die Erinnerung an den Holocaust und ihre Überlieferung durch die Generationen bis 2099 ist. Meine Protagonistin war ein kleines Mädchen, das in diesen dunklen Zeiten in einer Kartoffelgrube versteckt wurde, schwere Misshandlungen erlitt und überlebte. Und jetzt erschien dieses Mädchen plötzlich vor mir. Eine klare Vision, die auf mysteriöse Art und Weise meine eigenen, kleinen Worte ergänzte. Das verschlossene, reine Gesicht - betend oder verzweifelnd - und ein Hauch einer Träne, kaum sichtbar, im Winkel ihres Auges. Dieses Mädchen mit geschlossenen Augen, dessen Erinnerungen in den Gräben ihres Gehirns geistern, platzte auf unerklärliche Weise in mein Leben. Und heftiges Mausklicken brachte mich schließlich zum Namen jenes Mannes, der mein Grubenmädchen gemalt hatte – Gottfried Helnwein.
12.06.1982
Frankfurter Rundschau
Helnwein
Thomas Rothschild
Mit kaum einem anderen Wort wird so viel Schindluder getrieben, wie mt dem Begriff Realismus. Dass, was als realistisch bezeichnet wird, nur selten mit mit einer intersubjektiv überprüfbaren Wirklichkeit zu tun hat, ist mittlerweile eine triviale Erkenntnis.
Wir wissen zum Beispiel aus dem "sozialistischen Realismus", dass ständig bestimmte stilistische Verfahren mit inhaltlichen Kriterien vermengt und verwechselt wurde.
Auch realistische Kunst inszeniert, und was sie da aufbereitet, und wie sie es tut, das sagt mehr aus über das Verhältnis des Künstlers zur Realität als über diese Realität selbst.
19.06.2005
ruhr-guide.de
Gottfried Helnwein – Beautiful Children
www.ruhr-guide.de
Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
Gottfried Helnwein – Beautiful Children
Vom 19. Juni bis 2. Oktober 2005 zeigte die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen mit den Kinderbildern das zentrale Thema des umstrittenen Künstlers. Und auch mit dieser Ausstellung überschritt Helnwein erneut Grenzen und polarisierte, indem er das Kind nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen darstellt.
01.01.2005
DZ BANK Kunstsammlung
Raum 38.04 - Gottfried Helnwein - Kinderhand und Kindergesichter
Kunst am Arbeitsplatz
Mit dem im April 1993 eröffneten Hochhauskomplex von Kohn/Petersen/Fox in der Frankfurter Westendstraße, der längst einen unverwechselbaren Platz in der Skyline einnimmt, verfügt die DZ BANK über ein modernes Dienstleistungszentrum.
Wie schon Claes Oldenburgs und Coosje van Bruggens Krawatte - "Inverted Collar and
Tie",1994 - auf dem Vorplatz deutlich macht, versteht das Institut Kunst als Element der Unternehmenskultur. So wurde seit dieser Zeit eine "corporate collection" aufgebaut, die mit über 5.000 Exponaten zu einer der größten und angesehensten ihrer Art zählt.
06.12.2004
Die Ente in uns - 70 Jahre Donald Duck
Viktor Farkas
Mensa-Vortrag am 6. Dezember 2004
...Damit möchte ich mich einer kolportierten Aussage von Gottfried Helnwein über das Entenhausen-Universum zuwenden: „Viele lesen Micky Maus-Hefte, wenige aber verstehen die Botschaft.“
- Die Riege der Donald-Fans unter den Literaten ist entsprechend prominent: H.C. Artmann, Peter Handke, Urs Widmer, Robert Schindel; nicht nur sie haben der Ente ihre Reverenz erwiesen, sondern auch berühmte Maler wie der eingangs erwähnte Gottfried Helnwein oder Katzenfreund Manfred Deix. Vielleicht stimmt es ja tatsächlich, daß Donald „die reichhaltigste und in ihrer Kontinuität bemerkenswerteste Kunstfigur des letzten Jahrhunderts ist“, wie der Publizist Marc Degens schreibt.
21.06.2005
Universität Hannover - Historisches Seminar, Philosophische Fakultät
„Beautiful Children“
Steffen Runkel
Gottfried Helnwein im Wilhelm-Busch Museum.
"Beautiful Children“ ist die Ausstellung überschrieben, die Werke und Photographien des gebürtigen Österreichers Gottfried Helnwein bis zum 12. Juni 2005 im Wilhelm Busch Museum Hannover zeigte. Und von vorneherein drängt sich die Frage auf, ob dieser Ort, idyllisch inmitten des Georgengartens gelegen, der richtige Ort sei für den Meister des Überdimensionalen, der großen Installationen.
Doch bereits der Blick in den ersten Ausstellungsraum nimmt diese Befürchtung. Es müssen nicht die ganz großen Dimensionen sein, die in ihren Bann ziehen, es ist die Macht der Mischtechnik auf Leinwand, die unabhängig von ihrer Größe fesselt und fasziniert. Zu Beginn das größte Werk der Ausstellung, 2x4 Meter, ein Mädchengesicht mit geschlossenen Augen: „Beautiful Children“. Der Titel der Ausstellung wird zum Programm. Gegenüber das wohl schönste Werk, der Kuss zweier Nymphen. Nicht lasziv oder aufreizend, sinnlich eher, tastend. Die ungetrübte Unschuld des Kindes, seine Unbeschwertheit und Freiheit hat Helnwein wohl nie besser dargestellt als in diesen beiden Werken.
29.03.2007
www.lerntippsammlung.de
Vergleich Cindy Sherman Untitled #96 – Gottfried Helnwein Selbstportät
Cindy Sherman - 2.Version
Cindy Sherman und Gottfried Helnwein Selbstbildnisse können zweifelsohne in die Porträtform „ästhetisches Selbstbildniss mit politischer Aussage“ kategoriert werden.
Betrachtet man ihre Werke jedoch im Vergleich, z.B. Hinsichtlich der gestalterischen Mittel oder der Art der Inszenierung, so lassen sich, neben einigen weiteren Gemeinsamkeiten, viele Unterschiede der beiden Künstler feststellen
01.01.2004
RODRIGO M. MALMSTEN, Author of "Kleines Helnwein"
Thomas Fermentel
Paris
Author, director and actor Rodrigo M. Malmsten, 28 years, was born in Buenos Aires.
His first opera “KLEINES HELNWEIN”, which he wrote and also directed himself, was awarded several prizes. It was inspired by the works of the painter Gottfried Helnwein; some of Helnwein´s paintings are shown in the opera by means of visual projections.
01.01.2006
Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung -
Wolfgang Bauer: "Helnweins Bilder wirken!"
Wolfgang Bauer
27.09.1999
FAZ
Ritter der Übermoral
Antje Vollmer
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Antje Vollmer: Zur Sloterdijk-Debatte
Die Reihe der großen Namen ist lang, die in den letzten Jahren in Verdacht und Verruf gerieten.
Botho Strauß, Anselm Kiefer, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Gottfried Helnwein, Peter Handke
- ihnen allen wurde "gefährliches Denken", Abdriften in "Untiefen" oder "Fischen im Trüben" vorgeworfen, wenn man sie nicht gleich verdächtigte, "faschistoid" zu denken, zu malen oder zu schreiben.
01.01.1989
Museum Folkwang, Essen
Peter Gorsen about Gottfried Helnwein
Peter Gorsen
Professor for Art History, Vienna
In der bewegten Kunst - und Skandalgeschichte der österreichischen Moderne von Schiele, Gerstl, Schönberg und anderen bis zur "Wiener Aktionsgruppe" wird man Helnwein einen gebührenden Platz zuweisen.
Helnwein will most certainly attain an appropriate place within the lively history of Austrian art and scandal, which includes the works of Schiele, Gerstl, Schoenberg and others, as well as, the "Viennese Action group" ("Wiener Aktionsgruppe").
04.11.2021
Künstler – Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst
Gottfried Helnwein
Manfred Möller
Kunst ist für mich eine Waffe, mit der ich zurückschlagen kann
Gottfried Helnwein zählt zu den bekanntesten, aber auch zu den umstrittensten und
bis heute häufig kontrovers diskutierten deutschsprachigen Künstlern unserer Zeit.
Seine hyperrealistischen Bilder zeigen oft unschuldige, verwundete, bandagierte
Kinder, Opfer von Gewalt und Missbrauch. Sie stehen im Zentrum seines OEuvres
und machen Helnwein, ebenso wie seine Selbstportraits, weltbekannt. Er greift
gesellschaftliche Tabuthemen auf, seine Bilder handeln von Schmerz, Verletzung
und Gewalt, auch vom Nationalsozialismus. Mit ihren inhaltlichen Gegensätzen und
ihrer Ambivalenz von Schönheit und Gewalt elektrisieren seine Bilder den Betrachter
und werden gleichsam zu eindringlichen Mahnmalen unserer Gesellschaft.
31.12.2021
report-K.de
Yilmaz Dziewior: Kölns Mann für Venedig
Interview mit dem Direktor des Museum Ludwig in Köln
Es gibt eine „Replik“ des österreichischen Malers Gottfried Helnwein auf diese Richter-Arbeit, nachdem u.a. Alice Schwarzer kritisiert hatte, dass Richter keine Frauen gezeigt hatte.Diese 48 Frauenportraits aus dem Jahr 1991, 1994 von Peter und Irene Ludwig erworben, gehören heute auch dem Museum Ludwig.
Yilmaz Dziewior:
Die „Replik“ des österreichischen Malers Gottfried Helnwein, 48 Frauenportraits aus dem Jahr 1991, 1994 von Peter und Irene Ludwig erworben, befinden sich nicht im Museum Ludwig in Köln, sondern zählen zum Sammlungsbestand des Ludwig Forum in Aachen. Die Fotoserie zu dieser Arbeit befindet sich in Sankt Petersburg.
26.06.2000
SPIEGEL - online
"Welches Buch haben Sie noch nicht gelesen?"
Der Künstler Julius Deutschbauer betreibt in Wien die weltweit einzige Bibliothek der ungelesenen Bücher. Weil er findet, dass sie die besseren Werke sind.
Deutschbauer:
"Was sind am Schluss eines Buches für gewöhnlich Ihre Gedanken?"
Maler Gottfried Helnwein:
"Ich habe Bücher gern, die mich am Ende hängen, ratlos lassen.
Da fange ich dann an nachzudenken."
Gottfried Helnwein über "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust.
07.07.2024
K-Hof Kammerhof Museum Gmunden
Im Bilde der Zeit
Carl Aigner
Kein anderer österreichischer Künstler nach 1945 beschäftigt sich über Jahrzehnte derart intensiv, eindringlich und nachdrücklich mit dem Thema Kindheit, Kinder, Krieg, Gewalt und Zerstörung wie Gottfried Helnwein.
13.07.2024
Ludwig Museum Schloss Oberhausen, Wilhelm-Busch-Museum, Hannover
Beautiful Children
Peter Pachnicke, Gisela Vetter-Liebenow
One Man Show Gottfried Helnwein